Der Hauptbahnhof

Der Hauptbahnhof Osnabrück ist die bedeutendste Verkehrsdrehscheibe für den öffentlichen Personenverkehr im Großraum Osnabrück. Hier am Hauptbahnhof findet nicht nur die Verknüpfung von schienengebundenem Fern- und Nahverkehr statt, sondern auch ein Übergang auf das dichte Bussystem von Stadt und Landkreis. Im Schnitt gut 20.000 Reisende (Stand 2016) nutzen täglich den Hauptbahnhof Osnabrück.

Aktuelle Informationen bietet die die Deutsche Bahn auf Ihrer Internetseite an: https://www.bahnhof.de/bahnhof-de/bahnhof/Osnabr-C3-BCck-Hbf-1025600

Den Reisenden stehen auf zwei Ebenen 5 Bahnsteige mit insgesamt 9 Bahnsteiggleisn zur Verfügung. Diese besondere „Turmbauweise“ macht den Hauptbahnhof Osnabrück damit zu einer Besonderheit und nach dem Berliner Hauptbahnhof zum zweit größten Turmbahnhof in Europa.

Das Empfangsgebäude Osnabrück Hbf. Die Aufnahme entstand am 26.03.2004.

Am 24.  April 1895 nahm dieser Zentralbahnhof zu Osnabrück seinen Betrieb auf,  40 Jahre nachdem Osnabrück seinen ersten Eisenbahnanschluss an die Hannoversche Westbahn erhalten hatte. Das eindrucksvolle Gebäude wurde recht weit außerhalb des damaligen Stadtzentrums, quasi auf der grünen Wiese, im Kreuzungspunkt von Hannoverscher Westbahn und Hamburg-Venlo-Bahn errichtet. Der Höhenunterschied beträgt hier ca. 5,50 Meter und ermöglichte somit, die Bahnsteige auf zwei Ebenen anzuordnen. Durch die Konzentration des Reisezugverkehrs an diesem neuen „Zentralbahnhof“ konnte das bis dahin aufwändige Umsteigen zwischen Hannoverschem und Bremer Bahnhof entfallen. In diesem Zusammenhang hob man die Verkehrshalte an den beiden ehemaligen „Hauptbahnhöfen“ auf.

Gut 10 Jahre nach seiner Eröffnung bot präsentierte sich der Osnabrücker Hbf als „Tor zur Stadt“. Im Vordergrund ist ein Straßenbahtriebwagen dargestellt. Die Straßenbahnlinie 1 endete und begann vor dem Hauptbahnhof. (Ansichsichtskarte von 1908 – gelaufen – Sammlung H. Riecken)

Auf dem „oberen Personenbahnhof“ (Po) befinden sich die Gleise 1 (Bahnsteig A), 2/3 (Bahnsteig B) und 4/5 (Bahnsteig C), auf denen Züge des Fern- und Nahverkehrs überwiegend im Taktverkehr abfahren und folgende Relationen bedienen:

LinieLaufwegTakt
Fernverkehr
ICE Linie 42
(DB Fernverkehr)
Hambrug – Osnabrück – Köln – Frankfurt/Flughafen – Stuttgart – München2 stündlich
IC/EC Linie 30
(DB Fernverkehr)
Hamburg – Osnabrück – Köln – Koblenz – Stuttgart/Basel2 stündlich
Flix 20 (Flixtrain)Hamburg – Osnabrück – Köln2 Zugpaare tgl.
Nahverkehr
RE 2 (DB Regio)Osnabrück – Münster – Düsseldorfstündlich
RE 9 (DB Regio)Osnabrück – Diepholz – Bremen – Bremerhavenstündlich bis Bremen
RB 66 (Eurobahn)Osnabrück – Münsterstündlich
RB 75 (Nordwestbahn)Osnabrück – Dissen – Bielefeldstündlich

Der „untere Personenbahnhof“ (Pu) verfügt über die Gleise 11/12 (Bahnsteig D) und 13/14 (Bahnsteig E) und auch hier verkehren sowohl Fern- als auch Nahverkehrstaktsysteme:

LinieLaufwegTakt
Fernverkehr
IC Linie 77
(DB Fernverkehr)
Amsterdam – Rheine – Osnabrück – Hannover – Berlin 2 stündlich
Nahverkehr
RE 18 (Nordwestbahn)Osnabrück – Oldenburg – Wilhelmshaven stündlich
RE 60 (Westfalenbahn) Rheine – Osnabrück – Hannover – Braunschweig 2 stündlich
RB 58 (Nordwestbahn) Osnabrück – Vechta – Bremenstündlich
RB 61 (Eurobahn) Hengelo – Rheine – Osnabrück – Bünde – Bielefeld stündlich
Am 30.04.2008 begegneten sich IC 2311 nach Stuttgart Hbf und ICE 1026 nach Kiel Hbf in Osnabrück Hbf. Auf dem 288km langen Abschnitt zwischen Münster und Hamburg können die Züge insgesamt 185km mit einer Spitzengeschwindigkeit von 200 km/h verkehren. Foto: Matthias Beermann
Am 19.12.2008 erreichte die BR 101-002-4 Osnabrück Hbf Pu an Gleis 12. Foto: Matthias Beermann

Der Bahnhofsvorplatz wurde in den Jahren 2000 bis 2001 vollständig neu gestaltet. Unter anderem wurde ein großes ovales Dach errichtet, das Busreisenden Schutz vor Regen bietet. Das Gebäude des Postamtes Osnabrück 1 wurde abgerissen und durch ein modernes Parkhaus mit direktem Zugang zum Bahnsteig 1 ersetzt. In direkter Nachbarschaft befindet sich ein großes Kino sowie eine neue Poststelle.

Die entlang der Ost-West-Strecke, direkt neben dem Hauptbahnhofsgebäude liegende, ehemalige Expressgutabfertigung beherberg jetzt u.a. eine Fahrradstation.

Zum Kirchentag im Sommer 2008 wurden die Bahnsteigzugänge mit Fahrstühlen ausgestattet, die in den Bereichen der Treppenaufgänge bzw. in den Vorrichtungen ehemaliger Lastenaufzüge integriert wurden.

Insgesamt präsentiert sich der Osnabrücker Hauptbahnhof heute als zeitgemäßer und moderner Bahnhof mit einer Vielzahl an Geschäften und Serviceeinrichtungen.

Verbindungskurven zwischen den Bahnhofsebenen

Die Anlage eines Turmbahnhofes machte es notwendig, Verbindungskurven zwischen den unterschiedlichen Bahnhofsebenen zu errichten. Aus der Vogelperspektive betrachtet, verleihen diese dem Eisenbahnknoten Osnabrück die Gestalt eines Autobahnkreuzes. Die Verbindungskurven können von Zugfahrten befahren werden und besitzen wegen ihrer betrieblichen Funktion jeweils eigene Streckennummern. In Osnabrück sind heute noch folgende Verbindungskurven zur flüssigen Betriebsabwicklung in Betrieb:

  • Die Kluskurve (VzG-Strecke 1602) ist die älteste Verbindungskurve und stellt die kürzeste und damit die steilste Verbindung zwischen den beiden Bahnhofsebenen dar. Eine Nutzung dieser Kurve für Reiszüge ist nicht sinnvoll, da man die Kurve nicht vom Bahnsteig aus ohne Zurücksetzen aus befahren kann. Die Kluskurve dient daher in erster Linie Rangierfahrten im Bahnhof und Güterzugfahrten aus Richtung Rheine nach Bremen und Hamburg und umgekehrt.
  • Die Schinkelkurve, Stahlwerkskurve (beide VzG-Strecke 1600) und Löhner Kurve (VzG-Strecke 1611) bieten die Möglichkeit von der unteren Ebene in den Bahnsteigbereich der oberen Bahnhofsebene einzufahren. Schinkelkurve und Löhner Kurve wurden und werden regelmäßig von Reisezügen des Fernverkehrs der Relation Münster – Hannover (- Berlin) befahren.
  • Im Zusammenhang mit dem Bau des Rangierbahnhofes wurden zwischen 1911 und 1914 die Münsterkurve (VzG-Strecke 1620) und die Bremer Kurve (VzG-Strecke 1621) errichtet, welche von der oberen Bahnhofsebene die Einfahrt in den Rangierbahnhof ermöglichen.

Historische Verbindungsbahnen

Neben diesen heute noch in Betrieb befindlichen Verbindungskurven, gab es früher noch Verbindungsbahnen, die ein Umfahren des Zentralbahnhofes ermöglichten und dabei an die verschiedenen Strecken angeschlossen waren. Als die Eisenbahn noch in Staatshand war und kaum Konkurrenz durch andere Verkehrsträger hatte, wurden die Bahnanlagen oft für alle Eventualitäten ausgestattet. So wurde zum Beispiel während des Zweiten Weltkrieges ein umfassendes System von Verbindungsbahnen errichtet, um im Fall des Falles das eigentliche Kreuzungsbauwerk des Hauptbahnhofes Osnabrück umfahren zu können. So konnte man den durchgehenden Transport kriegswichtiger Güter zwischen den großen Nordseehäfen und dem Ruhrgebiet auch bei einer Zerstörung des Zentralbahnhofes gewährleisten.

In Nord-Süd-Richtung konnte der Knoten Osnabrück komplett umfahren werden. Abzweigend von der Strecke Bremen – Osnabrück, etwa in Höhe des Icker Weges, führte die Trasse durch die Ortsteile Dodesheide und Haste und schließlich am Piesberg vorbei zum Bahnhof Eversburg. Dort erfolgte die Anbindung an die Oldenburger Südbahn und die Tecklenburger Nordbahn. Über eine Verbindungskurve wurde die Hannoversche Westbahn bei Lotte angeschlossen. Eine weitere Verbindungsstrecke zweigte dann in Velpe von der Ost-West-Strecke ab und mündete schließlich bei Hasbergen auf die Strecke nach Münster. Diese Strecke wurde auf dem Damm der ehemaligen Perm-Bahn der Klöckner-Werke errichtet. Noch bis 1946 wurde diese Kurve von Reisezügen der Relation Münster – Hannover befahren. Im Jahre 1949 wurde die Kurve schließlich demontiert.

Stand 11.12.2021

Quellen

  • Deutsche Bundesbahn – 130 Jahre Eisenbahn in Osnabrück (1985)