KBS 385 – Hamburg-Venlo-Bahn

Daten der Strecke

KBS 385 / VzG-Strecke 2200, Wanne-Eickel – Hamburg, Streckengeschwindigkeit 200 km/h
Fertigstellung: 1874
Streckenverlauf und Betriebsstellen im Raum Osnabrück:

  • 67,6 Münster (Westf) Hbf
  • 72,1 Sudmühle
  • 76,3 Münster Ems
  • 78,8 Westbevern
  • 85,1 Brock-Ostbevern
  • 91,1 Kattenvenne
  • 94,0 Ringel
  • 98,8 Lengerich (Westf)
  • 104,2 Natrup-Hagen
  • 109,1 Hasbergen (Kr Osnabrück)
  • 114,3 Hörne
  • 116,2 Osnabrück-Rosenplatz (geplant)
  • 117,7 Osnabrück Hbf
  • 124,8 Belm
  • 128,3 Vehrte
  • 134,4 Ostercappeln
  • 142,0 Bohmte
  • 148,5 Drohne
  • 153,9 Lemförde
  • 160,9 Lembruch
  • 170,2 Diepholz
Streckenkarte der Deutschen Reichsbahn von 1926. Für nachezu die gesamte Hamburg-Venlo-Bahn war von 1899 bis 1931 Reichsbahndirektion Münster zuständig. Ab dem 01. April 1931 wechselte der Abschnitt ab Sagehorn bis Wilhelmsburg zur Direktion Altona. Sammlung: osnabahn.de

Die Cöln-Mindener Eisenbahn in Osnabrück

Am 20.12.1845 nahm die Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft (Kürzel gemäß der damaligen Schreibweise: CME) ihren ersten Streckenabschnitt zwischen Deutz und Düsseldorf in Betrieb. Dieser Abschnitt war das erste Teilstück der Strecke von Köln über Düsseldorf, Hamm, Bielefeld und Löhne nach Minden. In Hamm sollte der Anschluss an die schon damals geplante Strecke nach Münster hergestellt werden.

Nachdem die Stammlinie der Bahngesellschaft am 15.10.1847 fertiggestellt war, baute die Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft ihr Streckennetz weiter aus. Nach den Strecken Deutz – Gießen (- Frankfurt) und Oberhausen – Emmerich (- Holland) folgte die Hamburg-Venloer Bahn, die die Metropolregion Hamburg über Münster, Osnabrück und Bremen mit dem Ruhrgebiet verbinden sollte. Die Streckenführung kam durch eine französische Initiative zum Bau einer direkten Bahnverbindung von Paris nach Hamburg zustande. Im Mai 1866 erhielt die Cöln-Mindener Eisenbahngesellschaft die Konzession für den Bau einer Eisenbahnverbindung von Venlo nach Hamburg für das preußische Staatsgebiet. Bei Baubeginn im Jahr 1868 standen die Konzessionen für die Streckenstücke in Hannover, Bremen und Hamburg noch aus.

Planung der Strecke Münster – Osnabrück – Bremen

Bezüglich möglicher Streckenverläufe nördlich und südlich von Osnabrück wurden unterschiedliche Pläne diskutiert. So wurde südlich von Osnabrück über eine Trassierung über Warendorf, Laer und Hilter nachgedacht, die bei Hankenberge durch den Teutoburger Wald geführt werden sollte. Man entschied sich schließlich jedoch für den Streckenverlauf über Lengerich und Hasbergen.

Bau der Hamburg-Venloer Bahn von 1868 bis 1874

Bereits am 01.01.1870 wurde der erste Streckenabschnitt zwischen Wanne und Münster eröffnet. Die Fertigstellung der Verbindung zwischen Münster und Osnabrück verzögerte sich durch den Bau des nördlichsten Eisenbahntunnels in Deutschland unterhalb eines Gebirges bei Lengerich. Im August 1870 konnte zunächst der Streckenabschnitt zwischen Hasbergen und Osnabrück werden. Auf diesem Streckenstück kamen die Lokomotiven der Georgsmarienhütten-Eisenbahn zum Einsatz, die zwischen dem Hüttenwerk und dem Hüggel seit Dezember 1865 einen Eisenbahnbetrieb unterhielt und nun in Hasbergen einen Anschluss an des Staatsbahnnetz erhalten hatte. Die Eröffnung der Strecke von Osnabrück nach Münster und von dort weiter ins Rheinland erfolgte am 01.09.1871.

Der Metropolitan (MET) kam vom 01.08.1999 bis 11.12.2004 zwischen Hamburg und Köln zum Einsatz. Zwei Garnituren waren extra für den exklusiven Einsatz auf dieser Strecke beschafft worden. Hier durchfährt ein MET den Hauptbahnhof am 04. Oktober 2004. Auf der Linken Seite ist die Klusgruppe zu sehen, in der Gleisumbaufahrzeuge und Schotterwagen abgestellt sind. An jener Stelle befand sich auch der erste Güterbahnhof der Cölln-Mindener-Eisenbahn in Osnabrück. Foto: Matthias Beermann

Am 15.05.1873 konnte dann der Streckenabschnitt von Osnabrück nach Bremen in Betrieb genommen werden. Nordöstlich von Osnabrück wird das Wiehengebirge in mehreren Bögen unter Vermeidung aufwendiger Kunstbauten durchquert. Im Mai 1874 war die Strecke in ihrer gesamten Länge bis Hamburg befahrbar, womit die Hafenmetropole über Osnabrück mit den Industriegebieten an Rhein und Ruhr verbunden war.

Mit der Ausführung der Strecke über Osnabrück, wurde die Stadt zu einem wichtigen Eisenbahnknotenpunkt. Große Gebiete der Stadt und der gesamte Stadtteil Schinkel wurden durch die Bahn mit ihren in nördlicher Richtung und östlich der Gleise entstehenden Werkstätten und Lokomotivbehandlungsanlagen geprägt. Unmittelbar am Klushügel entstanden die umfangreichen Betriebsanlagen der Hamburg-Venlo-Bahn. Man errichtete als Personenbahnhof den sogenannten Bremer Bahnhof, wobei das entstandene Kreuzungsbauwerk bereits bei der Planung als möglicher Standort für einen gemeinsam mit der Hannoverschen Westbahn zu errichtenden Personenbahnhof in Erwägung gezogen wurde. Vor diesem Hintergrund wurde auf einen großen massiven Bahnhofsbau verzichtet. Statt dessen wurde ein Holzgebäude erstellt, wie es ähnlich in Münster, Ottersberg, Buchholz, Hittfeld und Rothenburg zur Ausführung gelangte. Es wurde auch nur von einem „provisorischen Bahnhof“ gesprochen.

Zwischen der Hannoverschen Westbahn und der neuen Strecke der CME wurden verschiedene Gleisverbindungen in Form von Verbindungskurven geschaffen.
Mit 25 Jahren Betriebszeit wird der Bremer Bahnhof sicher länger bestanden haben, als seine Erbauer es sich vorgestellt hatten. Mit der Eröffnung des Hauptbahnhofs endete 1895 der Personenverkehr. 1912 wurde dann auch der Güterverkehr zum Fledder verlagert. Die umfangreichen Gleisanlagen, die nach dem Abbau des Bahnhofs noch vergrößert werden konnten, dienen heute noch teilweise als Vorbahnhof.

Bei Vehrte, nördlich von Osnabrück ein Güterzug in mit zwei Dampfloks unterwegs. Die 44 493 war der in Osnabrück beheimateten BR 41 018 vorgespannt. Foto: Rolf Wiemann (28.07.1967)

Ausbau der Strecke ab 1881

Das große Verkehrsaufkommen auf der Strecke Hamburg – Köln machte bereits in den Jahren 1881 bis 1893 den zweigleisigen Ausbau der Strecke notwendig.

Im Zuge der Anbindung des Rangierbahnhofs an die Hamburg-Venlo-Bahn wurde der Streckenabschnitt zwischen Hörne und Osnabrück bereits 1912 viergleisig ausgebaut.

Mitte 1914 entschloss sich die Deutsche Reichsbahn wegen der hohen Streckenauslastung für den weiteren viergleisigen Ausbau des Streckenabschnitts von Münster bis Hörne, doch der Erste Weltkrieg verzögerte das Vorhaben zunächst. Der Erwerb des erforderlichen Grund und Bodens war schon weitgehend erfolgt und mit den ersten Arbeiten begonnen worden. So wurde auch bereits eine zweite Tunnelröhre für den Lengericher (West-)Tunnel gebaut. Der alte Tunnel sollte laut Planung weiter in Betrieb bleiben.

Die Weltwirtschaftskrise brachte den viergleisigen Ausbau Anfang der 1930er Jahre zum Erliegen.

Die BR 103 war die Paradelok der Deutschen Bundesbahn und im hochwertigen Reiseverkehr in der gesamten Bundesrepublick anzutreffen. Am 27.03.2011 gehörte die 103 235 bereits zum historischen Fahrzeugbestand der DB AG. Bis zum Ende des Fahrplanjahres 2012 war sie regelmäßig vor dem „historischen“ Sonntags IC 2417 „Hanseat“ (Flensburg – Köln) eingesetzt. Hier verlässt sie gerade den Lengericher Tunnel und noch einmal rund 25km Strecke vor sich, auf denen sie ihre Höchstgeschwindigkeit von 200km/h ausfahren kann. Der Einsatz des historischen Wochenend-IC 79 (2410/2417) endete zum Fahrplanwechsel 2012/13. Foto: Joachim Schmidt (27.03.2011)

Da der neue Lengericher Tunnel bereits fertig war, wurde dieser wegen der besseren Linienführung an die vorhandene Trasse angeschlossen und am 10.10.1928 in Betrieb genommen. Der alte Lengericher Tunnel wurde für verschiedene Zwecke genutzt und ist inzwischen wegen Baufälligkeit und Einsturzgefahr verschlossen. Von dem einst relativ weit fortgeschrittenen viergleisigen Ausbau sind nördlich des Tunnels bis Hasbergen noch die bereits verbreiterten Bahndämme und Wegüberführungen erkennbar.

Die Elektrifizierung der Strecke erfolgte in den Jahren 1966 bis 1968. Von 1978 bis 1990 erfolgte abschnittsweise der Ausbau zur Schnellfahrstrecke mit Linienzugbeeinflussung (LZB) für Geschwindigkeiten bis 200 km/h.

Jüngste Entwicklung der Strecke

Zum Fahrplanwechsel 2000 wurde das dritte Gleis der Hamburg-Venlo-Bahn zwischen Osnabrück Hbf und Hörne wegen mangelnden Bedarfs stillgelegt und anschließend abgebaut. Zwischen 2016 und 2022 wird die Stellwerkstechnik der Hamburg-Venlo-Bahn zwischen Lengerich und Diepholz erneuert und in Betrieb genommen. Die Steuerung des Streckenabschnitts erfolgt dann vom neuen elektronischen Stellwerk in Osnabrück.

Durch Stadt Münster und die umliegenden Kreise wird das Projekt „S-Bahn Münsterland“ vorangetrieben. Eine von neun geplanten S-Bahnlinien soll von Münster über die Hamburg-Venlo-Bahn bis Osnabrück und darüber hinaus bis Belm und Vehrte geführt werden. Welche Veränderungen der Infrastruktur für den Ausbau des ÖPNV-Angebots auf dem Streckenabschnitt nötige werden, wird die weitere Planung zeigen.

Betriebsbahnhof Hörne

Der Betriebsbahnhof Hörne, liegt mit seinen umfangreichen Gleisanlagen südlich des Hauptbahnhofes an der KBS 385 in Kilometer 114,3, Hier fädelt der Haller Willem bei Streckenkilometer 49,5 mit seinem eigenen Gleis auf die Trasse der Hamburg-Venlo-Bahn ein. Das Streckenstück zwischen Hörne und dem Zentralbahnhof war bis zum 27.05.2000 viergleisig ausgeführt und bot besonders für die Einfädelung der Güterzüge aus dem Rangierbahnhof über die Münsterkurve große Flexibilität und verminderte so betriebliche Engpässe.

Am 29.02.2004 durchfuhr InterCity 2303 den Betriebsbahnhof Hörne, gezogen von einer Lok der BR 101.
Am 29.02.2004 durchfuhr InterCity 2303 den Betriebsbahnhof Hörne, gezogen von einer Lok der BR 101.

Die Gleisanlagen des Betriebsbahnhofs Hörne dienen der Disposition von Güterzügen sowie der Abstellung und Abwicklung der Baulogistik von Baustellen im umliegenden Bereich. Die Weichen und Signale des Bahnhofs Hörne werden inzwischen vom neuen elektronischen Stellwerk am Hauptbahnhof aus gesteuert.

Station Osnabrück-Rosenplatz

Die Stadt Osnabrück und das Land Niedersachsen als Aufgabenträger für den Regionalverkehr treiben die Einrichtung einer neuen Bahnstation im osnabrücker Stadtgebiet südlich des Hauptbahnhofs voran. Die entsprechenden Planungen der Deutschen Bahn sind bereits fortgeschritten. Mit einer Inbetriebnahme der neuen Station wird derzeit im Dezember 2024 gerechnet. Dann sollen die Züge des Haller Willem hier regelmäßig halten und das Umfeld attraktiv an den Schienenpersonennahverkehr anbinden. Die neue Bahnstation soll von der Sutthauser Straße aus zu erreichen sein.

Bahnhof Belm

Das ehemalige Empfangsgebäude in Belm
Das ehemalige Empfangsgebäude in Belm

Der Bahnhof Belm liegt an der Hamburg-Venlo-Bahn jedoch nicht mehr im Stadtgebiet von Osnabrück. Er wurde nördlich des Hauptbahnhofs an der Strecke nach Bremen errichtet. In Belm halten seit Ende der 1950er Jahren keine Reisezüge mehr. Der Bahnhof ist aktuell ein reiner Betriebsbahnhof, der lediglich der Beschleunigung des Betriebes durch das Überholen von Güterzügen dient. Eine Reaktivierung des Bahnhalts in Belm wird aktuell diskutiert. Dabei soll der neue Halt Belm-Mitte zentraler als der historische Bahnhof liegen. Der Halt in Belm ist Teil des Konzeptes für eine S-Bahn Münsterland.

Quellen

  • Wikipedia
  • Stadt Osnabrück: Planung für Haltepunkt Rosenplatz
  • Deutsche Reichsbahngesellschaft: 40 Jahre Eisenbahndirektion Münster (Westf) 1895-1935
  • Deutsche Bundesbahn – 130 Jahre Eisenbahn in Osnabrück (1985)
  • Heinz Kisker: Vom Bau der Eisenbahnstrecke Münster-Osnabrück, als Teil der Eisenbahn (Paris) Venlo-Hamburg

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