Werk Hauptbahnhof

Gleisplan des Bw Osnabrück Hbf.
Gleisplan des Bw Osnabrück Hbf.

Das ehemalige Bahnbetriebswerk Osnabrück Hbf liegt im Stadtteil Schinkel an der Bremer Straße, weshalb es in seiner Geschichte auch den Namen Bw Bremer Straße oder Bw Pbf (Personenbahnhof) getragen hat.
Im Volksmund trägt das Werk den Beinamen Kamerun. Dieser Name entstanden noch vor der Jahrhundertwende. Damals war es üblich, dass die Frauen ihren Männern das Essen an die Werkstore brachten. Die Werksarbeiter waren durch die schweren Tätigkeiten vom Gesicht bis zu den Füßen rußgeschwärzt und erinnerten an die schwarzen Einwohner Kameruns, welches 1885 deutsche Kolonie geworden war. Wegen zahlreicher Aufstände war Kamerun zu dieser Zeit in vieler Munde.

Relativ schnell nach der Eröffnung der Hamburg-Venlo-Bahn war klar, dass das von der Köln-Mindener-Eisenbahn errichtete Betriebswerk am Klushügel dem stetig steigenden Verkehrsaufkommen nicht standhalten würde, zumal seit 1876 auch Lokomotiven der Großherzoglichen Oldenburger Eisenbahn in Osnabrück gewartet werden mussten. Auch war es nicht möglich, die Anlagen für Lokomotiven in erforderlichem Umfang zu erweitern, da ja auch das Wagenaufkommen stetig stieg. So wurde ein völlig neues Werk, ausschließlich für die Behandlung von Lokomotiven errichtet. Der Grund, warum gerade in Osnabrück so viele Lokomotiven beheimatet werden mussten ist, dass Dampfloks nur eine begrenzte Reichweite haben. Danach müssen sie neu bekohlt, ausgeschlackt und bewässert werden. Darum wurden Züge zu Dampflokzeiten von Orten in sogenannter Mittellage bespannt. Zwischen Hamburg und Ruhrgebiet aber auch zwischen Emden und Hannover war dies Osnabrück.

Zum Bauplatz war die Wiesenlandschaft nördlich der Bremer Straße auserkoren worden, da in diesem Gebiet die Besiedlung noch recht dünn war. Das Betriebswerk wurde zwischen 1876 und 1884 erbaut. Zunächst begann man zwei rechteckige Lokschuppen zu errichten, die jeweils mit einer Schiebebühne ausgerüstet waren. Auch eine Lokauswaschstelle wurde zwischen den beiden Schuppen eingerichtet. Natürlich zog dieser Umzug der Loks auch bauliche Erweiterungen der Schieneninfrastruktur nach sich, denn für die vielen Fahrten der Loks zwischen dem Hauptbahnhof und dem neuen Werk reichte die Kapazität der Gleise nicht aus. 1894 erging von der Eisenbahndirektion Köln ein Schreiben an den Osnabrücker Regierungspräsidenten, die heutige „Bremer Brücke“ zu erweitern. Ausdrücklich wurde darauf hingewiesen, dass der Oberbau schalldämmend und wasserdicht sein sollte.
Unter den ersten Loks der Köln-Mindener-Eisenbahngesellschaft (KME) waren einige die Namen wie „Bohmte“, „Vehrte“, „Hasbergen“ und sogar „Osnabrück“ trugen. Sie waren alle Mitte der 70er Jahre des 19. Jahrhunderts bei den Firmen Borsig und Hartmann gefertigt worden. Die 1B – Güterzuglok „Osnabrück“ wurde bereits 1890 wieder ausgemustert.

Betrieb an der Drehscheibe "C" im Betriebshof Osnabrück an diesem Augustnachmittag 2006.
Betrieb an der Drehscheibe „C“ im Betriebshof Osnabrück an diesem Augustnachmittag 2006.

Ab 1893 kamen dann die preußischen Maschinen S3, S6, S10 und G4 zum Bw Hbf. Von hieraus wurden sie auf der sogenannten Rollbahn zwischen Hamburg und Köln im Personen- und Güterverkehr eingesetzt.
Nach der Jahrhundertwende waren die Kapazitäten des Werkes erneut völlig erschöpft, so dass sehr viele Dampfloks nicht in den Schuppen untergestellt werden konnten. 1907 stellte die Eisenbahnverwaltung neue Überlegungen an, den gesamten Werksbereich umzubauen und wesentlich zu erweitern. In diesem Zuge sollte auch eine Brücke über den Haster Weg gebaut werden, was damals von den Anwohnern strickt abgelehnt wurde, fürchteten sie doch eine Beeinträchtigung des Verkehres. Auch hatte man bis dahin die entstehenden Abwässer einfach in einen kleinen Bach geleitet, der diese in die Hase spülte. Um nun das Hauptunterfangen, die Erweiterung der Werksanlagen, nicht zu beeinträchtigen, trennte die zuständige Direktion Münster einfach die Genehmigungsanträge für die Brücke über den Haster Weg und die Abwasserschutzmaßnahmen von dem für das Werk. Damit stand dem Bau eines neuen Ringlokschuppens „C“ mit eigener Drehscheibe nichts mehr im Wege. Weiterhin wurden ein Torfschuppen und ein 42 Meter hoher Schornstein errichtet, dieser sollte die Qualmbelästigung für die Anwohner erträglich machen. Ebenfalls in dieser Zeit wurde der Wasserturm errichtet, der lange Zeit das Wahrzeichen des Werkes war, und erst im Jahre 1983 gesprengt wurde. Schützenhilfe bekam die Bahn damals von dem Minister für öffentliche Arbeiten, der schlicht anordnete, dass die Anwohner das Abwasserproblem bis zum Bau eines Abwassernetzes zu ertragen hätten. Interessant zu bemerken ist, dass die anfallende Schlacke der Loks von Strafgefangenen mit Schaufeln aus den Reinigungskanälen zum Abtransport auf Güterwagen geladen wurden. Das entschlacken der Lokomotiven führten jedoch Bahnmitarbeiter durch.
Noch vor dem 1. Weltkrieg wurde eine moderne Bekohlungsanlage sowie vier Kohlenbunker mit einer Kapazität von je 1.650t gebaut und die Beleuchtung auf elektrisches Licht umgestellt. Auch ein neuer Ausschlackungskanal gehörte dazu. Die Schlacke wurde jetzt mittels Kran verladen, so dass keine Strafgefangenen mehr benötigt wurden.
Ab 1918 wurden die Anlagen abermals erweitert, nördlich des Lokschuppens „C“ wurde ein weiterer, der Lokschuppen „D“, erbaut. In diesem Zuge wurde die Bekohlungsanlage erweitert und vier neue Kohlenbunker gebaut und ein weiterer Kran aufgestellt. Damit erreichte das Werk seine größte Ausdehnung, die es bis zu Beginn der 1970er Jahre behielt. Es umfasste nunmehr vier Lokschuppen, drei Drehscheiben Schiebebühnen und die zweitgrößte Bekohlungsanlage im Deutschen Reich, zweifelsohne gehörte es zu den größten Betriebswerken der Reichsbahn.

Lokbestände am 31.10.1925

BaureihenStückzahl
17028
3601
3816
3915
55161
5525-5635
571025
91311
9357
9422
9453
ETA (AT)3 Doppeleinheiten

In den 1930er Jahren stiegen die Verkehrsleistungen der Bahn stark an. Der Grund ist in der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik zu sehen, die eine starke Steigerung der Wirtschaftsleistung, vor allem im Rüstungsbereich, forcierte. Im 2. Weltkrieg waren die Osnabrücker Bahnanlagen ein häufiges Ziel alliierter Bombenangriffe, die auch bei dem Bw Hbf für schwere Verwüstungen sorgten, und vielen Eisenbahnern den Tod brachten. Während des Krieges wurden die Arbeitszeiten pro Woche auf 60 Stunden erhöht, überhaupt war der Betrieb nur durch ausländische Zwangsarbeiterinnen und -arbeiter aufrecht zu erhalten.
Nach dem Krieg musste die Lokhalle „A“ komplett neu aufgebaut werden. Diese Arbeiten zogen sich bis ca. 1949 hin. Ca. 1.200 Menschen waren jetzt bei dem Bw beschäftigt.
Wie aus der zweiten Tabelle hervorgeht war das Bw Hbf ein recht bedeutendes Schnellzuglokomotiv Bw. Bereits im Jahre 1930 gelangten die ersten Maschinen dieser Baureihe nach Osnabrück, wo bis 1961 insgesamt 71 Loks einen Teil ihres Dienstes versahen. Nach dem 2. Weltkrieg erhielt die 03 Unterstützung durch die berühmte Schnellzuglok 01. Nur 54 Maschinen waren nach dem Krieg bei der Bundesbahn verblieben, 41 von ihnen waren am 07.12.1961 in Osnabrück beheimatet.
Die Zeit schritt voran und mit ihr die Entwicklung. Ende der 50er Jahre stellte die Bundesbahn die Feuerung ihrer Loks in großen Teilen von Kohle auf Öl um. Dem entsprechend wurden zwei große Öltanks installiert.

Lokbestände 1960 im Jahresdurchschnitt

BaureihenStückzahl
016
0110(Kohle)5
0110(Öl)20
034
41(Kohle)11
41(Öl)19
5018
9312

Weil alle Diesellokomotiven zu dieser Zeit beim Bw Rbf beheimatet wurden blieb das Bw Hbf bis zum 12.09.1966 ein reines Dampflok Bw. An diesem Tag hielten die ersten Elektrolokomotiven der Baureihe E 40 Einzug im Bw Hbf. Sie sollten den Dienst auf der gerade elektrifizierten Strecke Osnabrück – Münster übernehmen. Weiterhin nahmen 16 Loks der Baureihe E 41 ihren Dienst in Osnabrück auf. Sie blieben bis 1972 in Osnabrück und wurden dann an das Bw Hagen abgegeben. Das führte dazu, dass der Bestand der 01 Loks erheblich verringert werden musste.

Die "Diesellokseite" der Drehscheibe "C" ist nicht überspannt. Im Juli 2001 waren hier Lokomotiven der Baureihen 232, 212, 295 und 365 abgestellt.
Die „Diesellokseite“ der Drehscheibe „C“ ist nicht überspannt. Im Juli 2001 waren hier Lokomotiven der Baureihen 232, 212, 295 und 365 abgestellt.

Gut zwei Jahre nachdem die ersten E-Loks das Gesicht des Werkes veränderten , am 29.09.1968 wurden die letzten Dampfloks, unter anderem noch 22 der Baureihe 01, vom Bw Hbf nach Rheine und Hamburg Altona abgegeben. Dennoch waren Dampflokomotiven auch weiterhin im Werk zu sehen, bis 1974 erfolgten hier noch Ausbesserungen von Dampfloks des Bw Rheine. Natürlich waren nach dem schlagartigen Verschwinden der Dampfloks noch ein sehr hoher Personalbestand von Arbeitern vorhanden, die nicht mit der Ausbesserung von E-Loks vertraut waren, sie besserten nun die Loks des Bw Rheine aus.

Die 1932 gebaute Vorkriegslok E 04 kam 1968 von München nach Osnabrück. Die einzigen 6 Maschinen, die die Deutsche Bundesbahn nach dem 2. Weltkrieg übernommen hatte, leisteten bis zu ihrem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst, 1982, 6.942.300 km, was etwa 45% ihrer Gesamtlaufleistung entspricht.
Hinzu kamen dann auch Diesellokomotiven und die Triebwagen der Baureihe 624/634, die später beim ehemaligen Bw2 beheimatet waren.

Nachdem die Dampfloks das Bw Hbf verlassen hatten, waren die Ringlokschuppen „C“ und „D“ nicht mehr erforderlich, schließlich konnten Elektro- und Dieselloks witterungsunabhängig unter freiem Himmel abgestellt werden. Der Lokschuppen „D“ wurden komplett mit seinen Gleisanlagen abgebrochen. Auch dem Lokschuppen „C“ erging es nicht anders, hier blieb aber die Drehscheibe und die Strahlengleise erhalten. Sie werden bis auf den heutigen Tag genutzt.
Das Betriebswerk Hbf blieb bis zum 30.06.1973 eigenständige Dienststelle, dann wurde es mit dem Bw Rbf zum Bahnbetriebswerk Osnabrück zusammengeschlossen. Da das neue Bw Osnabrück aber weiterhin die Dienststellennummer des Bw Hbf trug, wird seine Geschichte hier weitergeführt.
Bis zur Mitte der 80er Jahre stieg das Bw Osnabrück zur größten maschinentechnischen Dienststelle der Bundesbahndirektion Hannover auf. Auch das ehemalige Bw Rheine war seit dem 01.07.1983 dem Bw Osnabrück als Außenstelle angeschlossen. Teilweise 105 Loks der Baureihe 140 waren Anfang der 80er Jahre in Osnabrück beheimatet und machten das Bw zum größten dieser Baureihe.
Seit dem 01.01.1983 hieß es Bw Osnabrück 1. Ein Bewertungsausschuss bepunktete die Werke zum Beispiel nach Fertigungsstunden, Zugleistungen, Länge des Zuglaufes, usw. Je nach der Höhe der Bewertung kam die Bezeichnung 1, 2, 3, … zustande. Zwar wiederholte sich die Bewertung in gewissen Abständen, die Bezeichnungen blieben fortan die gleichen. 1985 waren immer noch über 200 Loks beim damaligen Bw Osnabrück 1 beheimatet.
Nach und nach wurden seit 1988 immer mehr elektrische Fahrzeuge an andere Werke abgegeben.
Von der Hierarchie waren die Bahnbetriebswerke den Maschinenämtern untergeordnet, so gehörte das Bw Hbf und seine Nachfolger zum Maschinenamt Osnabrück, bis zu dessen Auflösung am 01.01.1994, dem Tag der Bahnreform.
Die Betriebswerke 1 und 2 wurden an diesem Stichtag zum Geschäftsbereich Werke und Traktion zusammengefaßt. Am 31.07.1995 verließen die letzten 140er das Werk Richtung Seelze. Seither werden ausschließlich Diesellokomotiven hier beheimatet.

Seit dem 01.01.1998 wird das Werk von der DB Cargo AG geführt. Immer noch werden hier E-Loks abgestellt und von hier aus vor Güterzügen auf die Reise geschickt.

Quellen

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