Werk „Vorwerk“ an der Mindener Straße

Für die Aufstellung von Güterwagen wurde im Jahr 1938 mit dem Bau eines Wagenwerkes in dem Gleisdreieck zwischen der Hannoverschen Westbahn, der Löhner Kurve und der Stahlwerkskurve begonnen. Es trug den Namen „Vorwerk“. Um einem möglichen Hochwasserstand der Hase Rechnung zu tragen, mussten Teile des Geländes durch Aufschüttung nutzbar gemacht werden. Die Anbindung des neuen Werkes erfolgte einseitig aus Richtung Lüstringen am Abzweig der „Löhner Kurve“.

Zufahrtsbereich von der Mindener Straße zum „Vorwerk“. Im November 2002 war das Werk noch voll in Betrieb. Die Aufnahme stammt von M. Beermann

Im „Vorwerk“ wurden zunächst vorbereitende Arbeiten an Güterwagen vorgenommen, bevor diese dann im Ausbesserungswerk (AW) aufgearbeitet bzw. instandgesetzt wurden. Organisatorisch erfolgte erst im Jahr 1955 eine Angliederung des „Vorwerks“ an das AW als Außenstelle. Bereits fünf Jahre später, mit der Schließung des Ausbesserungswerkes, zum 31.12.1960 wurde die Zuordnung zum Bahnbetriebswagenwerk (Bww) vorgenommen. Die tatsächliche Instansetzung von Güterwagen wurde erst im Jahr 1962 am Standort Mindener Straße aufgenommen. Zuvor war diese an der Hase, in der Nähe des Bw Rbf, angesiedelt.

Herzstück des „Vorwerks“ war eine 60m x 27m große Werkstatthalle mit vier durchgängigen Arbeitsgleisen. Südlich der Halle verliefen vier weitere Gleise für die Pufferung von Wagen. Ein nördliches Umfahrungsgleis ermöglichte ebenfalls die beidseitige Befahrung aller acht Behandlungsgleise. In unmittelbarer Nähe der Werkshalle waren die notwendigen Lagergebäude und Plätze für Arbeitsmittel, Ersatzteile, Tauschteile und Werkstoffe. Auch Radsätze für den Austausch wurden entsprechend vorgehalten.

Gleisplan der Anlagen des „Vorwerks“ aus dem Jahr 1989 – die Anlage blieb bis zur Aufgabe des Standortes weitgehend unverändert.

Im Werk konnten und wurden sämtliche erforderlichen Ausbesserungen an Güterwagen vorgenommen, so dass eine zeitaufwändige Überführung in Ausbesserungswerke entfallen konnte. Neben den Güterwagen der DB wurden auch diejenigen privater Eisenbahnunternehmen und fremder Bahnverwaltungen im „Vorwerk“ ausgebessert. In den 1970er, 80er und 90er Jahren lag die Kapazität und Instandsetzungsleistung des Werkes bei rund 100 Güterwagen pro Tag.

Von der Schellenberg-Brücke im Stadtteil „Fledder“ bot sich am 20.04.2000 dieser Anblick des „Vorwerks“. Noch gab es hier jede Menge zu tun, wie die zahlreichen Güterwagen vermuten lassen. Am linken Bildrand ist der Bogen der „Löhner Kurve“ zu erkennen, rechts daneben das Ausziehgleis der Aufstellgruppe im Vorwerk. Es bestand hier keine Anbindung an die Streckengleise. Im Vordergrund befindet sich die Strecke nach Löhne. (M.Beermann)

Mit der Bahnreform zum 01.01.1994 wurden Lokomotiven, Werke und Personale des Fahrdienstes vorübergehend im neuen Geschäftsbereich „Traktion und Werke“ zusammengefasst, bevor zum 01.01.1998 Lokomotiven, Wagen, Werkstätten und Personale auf die Eisenbahnverkehrsunternehmen der Deutschen Bahn AG aufgeteilt wurden. Dementsprechend übernahm die für den Güterverkehr verantworliche Konzerntochter DB Cargo AG das „Vorwerk“ und führte hier noch rund 9 Jahre die Instandsetzung von Güterwagen fort, bis der Standort im Jahr 2006 aufgegeben wurde. Seither wird die Güterwageninstandsetzung im ehemaligen Lokschuppen A des BW Hbf an der Bremer Straße durchgeführt.

Die Werkhalle und auch einige Gleise erinnern heute noch an die ehemalige Instandhaltungsstätte an der Mindener Straße.

Stand des Textes: 03.02.2022

Quellen

  • Bernhard Kovermann, Peter Kristandt – 125 Jahre Bahnbetriebswerk Osnabrück Hbf
  • Deutsche Bundesbahnn – Bw Osnabrück 2
  • Lothar H. Hülsmann: 125 Jahre Eisenbahn in Osnabrück
  • Lothar H. Hülsmann: 130 Jahre Eisenbahn in Osnabrück
  • Lothar H. Hülsmann: Die Zeit der Deutschen Bundesbahn in und um Osnabrück 1949 – 1994

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