Gleisanschluss Hafenbahn

Im Jahr 1905 begannen konkrete Planungen zur Errichtung eines Stadthafens, der Osnabrück durch einen Stichkanal mit dem Mittellandkanal bei Bramsche verbinden sollte. Als Hafengebiet wurden die Hasewiesen im Bereich der Wachsbleiche bestimmt, was zunächst eine Begradigung des Haselaufes sowie die Errichtung zweier Schleusen zur Überwindung des Höhenunterschiedes von 9,50 Metern erforderlich machte. Mit diesen Arbeiten wurde im Jahr 1912 begonnen. Ferner begann man in West-Ost-Richtung ein 880 Meter langes und bis zu 46 Meter breites Hafenbecken auszuheben. Weiterhin sahen die Planungen die Errichtung umfangreicher Gleisanlagen, nördlich und südlich des Hafenbeckens, mit einem Anschluss an die Staatsbahn vor. In diesem Rahmen erhielt auch die Firma Gebr. Kämmerer (heute Alstrom Osnabrück) einen Eisenbahnanschluss. Der Anschluss zum Osnabrücker Hafen zweigt westlich des unteren Personenbahnhofs von der Strecke Löhne – Rheine ab und verläuft auf einem eigenen, nicht elektrifizierten, Gleis parallel zu dieser Strecke bis er westlich des Haltepunktes Osnabrück-Hasetor zum Hafengelände abbiegt. Am 01. November 1905 wurde im Hafenbereich der Eisenbahnbetrieb aufgenommen, das erste Schiff steuerte den Hafen am 03. April 1916 an. Bis zur Beschaffung zweier, von der Firma AEG gebauter, Akkumulatorloks (Betriebsnummern 1 und 2) im Jahr 1918 wurde der Eisenbahnbetrieb der Hafenbahn ausschließlich von Lokomotiven der Staatsbahn abgewickelt. Diese waren auch danach weiterhin, bedingt durch einen stetig zunehmenden Transportbedarf, im Hafenbereich anzutreffen.
Erweiterungen der Gleisanlagen wurden in den Jahren 1928 an der Ostseite des Hafens sowie 1935 über die Römereschstraße zum Kasernengelände vorgenommen. Die Errichtung eines Stellwerkes erfolgte 1939. Während des 2. Weltkrieges erfuhren auch die Hafenanlagen schwere Zerstörungen, die allerdings bis 1948 großteils wieder behoben werden konnten. Mit der Hafenerweiterung „Ost“ und der Errichtung eines neuen Ölhafens westlich des Kasernengeländes bis Anfang der siebziger Jahre konnte das Hafengelände auf eine Gesamtfläche von heute 98 ha ausgedehnt werden. Die letzten wesentlichen Umbaumaßnahmen fanden zur Jahrtausendwende mit der Errichtung des Betriebsgeländes der NordWestBahn statt. Im Zuge dieser Arbeiten wurden auch die Gleis- und Signalanlagen im Hafengelände umfassend modernisiert und das nicht mehr benötigte Stellwerksgebäude an der Wachsbleiche abgerissen.
1950 wurde eine dritte Akkumulatorlok von der Firma Siemens erworden und als „Haba 3“ in den Bestand eingereiht. Die drei Akkuloks wurden zwischen 1968 (Haba 2) und 1971 (Haba 1 und Haba 3) außer Betrieb gesetzt. Für sie wurden 1970 und 1971 zwei Diesellokomotiven der Firma Orenstein & Koppel beschafft und als Haba 4 und Haba 5 eingereiht. 1996 wurden von der Deutschen Bahn die Diesellokomotiven 360 157 (Haba 6) und 361 841 (Haba 7) beschafft. Sie versehen mit der Haba 5 gegenwärtig ihren Dienst, die Haba 4 wurde an die Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück (VOL) verkauft.
Insgesamt umfassen die Hafenanlagen in Osnabrück im Jahr 2006 mehr als 21 Kilometer Gleise, die durch 68 Weichen miteinander vernetzt sind. Die Kaianlagen erstrecken sich über eine Länge von 3,6 Kilometern auf der neun Krananlagen, vier Löscheinrichtungen für Mineralöl sowie ein pneumatischer Saugheber für Getreide vorhanden sind. Der Schiffsgüterumschlag betrug im Jahr 2004 rund 629.000 t auf 785 Binnenschiffen, der Bahngüterumschlag für dieses Jahr wurde mit 650.000 t auf rund 14.800 Waggons beziffert.

Gleisanschluss Firma Ahlstrom

Eine der ältesten Osnabrücker Großfirmen, die Papierfabrik Ahlstrom Osnabrück, früher Gebr. Kämmerer, erhielt erst im Jahre 1915 einen Gleisanschluss an die Osnabrücker Hafenbahn. Voraussetzung war die Gleisanbindung der Hafenbahn an das Schienennetz der Staatsbahn, die ebenfalls im Jahre 1915 erfolgte.
Laut Vertrag mit der Stadt Osnabrück stellte diese den Gleisanschluss auf Kosten der Firma Gebr. Kämmerer her. Nach Schätzungen sollten sich die Kosten hierfür auf 15000 Goldmark belaufen, welche die Firma im Voraus an die Stadt zu entrichten hatte. Sie führte auch alle weiteren notwendigen Arbeiten aus, auf eigene Kosten verlängerte sie das Anschlussgleis, (ca. 230 Meter) auf dem Hafengelände bis zu dessen Grenze an der Nette. Ab hier begann die Zuständigkeit der Papierfabrik.
Für die Unterhaltung der Anlage war selbstverständlich die Fa. Gebr. Kämmerer zuständig, wobei die Instandhaltung der Straßen- und Netteüberquerung durch die Stadt Osnabrück sichergestellt wurde.
Im südlichen Bereich der Hafenbahn zweigte der Anschluss ab und verzweigte sich noch vor der Römereschstraße. Die zunächst auf der Nettebrücke geplante Weiche wurde auf Veranlassung des Reichsbahnbetriebsamtes Osnabrück 1 weiter Richtung Firmengelände verlegt. Die Römereschstraße wurde dann zweigleisig überquert, wobei ein Gleis direkt zu dem Kohlenbunker des werkseigenen Kraftwerkes führte, um die Belieferung mit Kohlen sicherzustellen.
Das andere Gleis verzweigte sich auf dem Werksgelände erneut. Ein Gleis führte zu einem Schuppen, das andere war Zustell- und Abholgleis für Wagensendungen. An seinem Ende befand sich eine Drehscheibe. Nur über diese waren die beiden Be- und Entladegleise der Produktionshalle und des Lagers zu erreichen.
Die Wagenzustellung erfolgte durch die Hafenbahn. Übergabegrenze war der Firmeneingang. Ab hier war die Papierfabrik für die Weiterbeförderung und Verteilung der Wagen zuständig. Leider ließen sich aus dieser Zeit keine Angaben über eine Werkslok ausfindig machen. Vertraglich waren auch die Beförderung- und Zustellentgelte geregelt. So hatte die Fa. Kämmerer 0,50 Mark pro Wagen an die Reichsbahn für derer Überführung vom Rangierbahnhof im Fledder, zur Hafenbahn zu entrichten. Die Hafenbahn nahm pro Tonne Ladungsgewicht 0,10 Mark für ihre Zustellung. Bereits neun Jahre später, 1924, wurde eine erhebliche Erweiterung der Gleisanlagen auf dem Werksgelände erforderlich, nicht zuletzt da auch eine neue Produktionshalle, das sog. Werk 2, richtet werden sollte. Auch sie sollte einen Gleisanschluß erhalten.
Die Drehscheibe wurde entfernt und durch einen Gleisbogen ersetzt, so dass die Produktionshalle mit dem angeschlossenen Lager auch weiterhin beliefert werden konnte. Ein neues Zustell- und ein neues Abholgleis sowie ein Umfahrgleis für Rangierloks wurden auf dem westlichen Gelände errichtet, mittels einer doppelten Kreuzungsweiche wurde eine neue Verbindung zum Lokschuppen geschaffen. Von diesem aus zweigte auch das Ladegleis der neuen Produktionshalle ab.

Erst im Jahre 1938 wurde der Fa. Gebr. Kämmerer der Neubau eines „Lokomotorschuppens“ genehmigt. 1948 bestellte die Papierfabrik bei der Firma Windhoff in Rheine eine eigene Diesellok für den innerbetrieblichen Rangierbetrieb, sie ist bis auf den heutigen Tag im Dienst und ist mit der DB Kleinlok BR 321 vergleichbar.

Technische Daten der Werkslok:

Betriebsnummer:1
Fabriknummer:1053
Hersteller:Windhoff AG Rheine
Lieferjahr:Okt. 1948
Leergewicht:ca. 14 t
Dienstgewicht:15 t
V max:30 km/h
Treibraddurchmesser:700 mm
Achszahl, Anordnung:2 (Kettenantrieb)
Achsdruck:7,5 t
Achsstand:2500 mm
L.ü.P.:6450 mm
Art d. Bremse:Fußbremse
Signaleinrichtungen:Auspuffpfeife
Art des Motors:Diesel
Motorbezeichnung:Demag, 4 Takt
Motorleistung:75 PS
Motordrehzahl:1100 Upm

Die Lok war und ist nicht für die Gleise der damaligen DB zugelassen, die Übergabe der Wagensendungen erfolgt auch heute noch durch die Hafenbahn am Werksgelände.
Selbstverständlich mußten auch die Lokbediener der Papierfabrik Tauglichkeitsuntersuchungen machen, sie erfolgten bei der damaligen Direktion Münster.
Für die technische Überprüfung der Lok war das Maschinenamt Osnabrück zuständig, hierüber wird bis auf den heutigen Tag ein Betriebsbuch geführt.
1969 errichtete die Kämmerer GmbH eine Produktionsstätte für Polyurethanschaumplatten, das Werk 3, die heutige Firma Alcan Kapa GmbH. Selbstverständlich wurde auch hier ein Gleisanschluss vorgesehen, indem ein Gleis hinter den Zustellgleisen verlängert wurde.
1970 wurde eine neuen Wellpappenproduktion in Betrieb genommen, das Werk 4, heute die Firma Kappa Kawell GmbH. Dies brachte eine erneute Erweiterung der Gleisanlagen. Hier wurde sogar ein Gleis direkt in die Halle des Rollenlagers verlegt. Auch dieser Anschluss verzweigte sich hinter den Zustellgleisen.
Beide Produktionsstätten sind heute eigenständige Firmen. Sie beziehen ihre Sendungen nicht mehr per Schiene, daher sind ihre Gleisanschlüsse mittlerweile stillgelegt.
Auch das Gleissystem der Papierfabrik hat nicht mehr den Umfang von einst, die erste Gleisverbindung zum „Werk 1“ ist bereits stillgelegt, und auch die Verbindungen zum Kraftwerk und zum „Werk 2“ sind heute nicht mehr in Betrieb.
Über den Gleisanschluß erfolgt heutzutage lediglich noch die Zustellung von Zellstoff, wenn der Hafen aufgund der Wetterlage nicht von Schiffen angelaufen werden kann, ansonsten erhält die Fa. Ahlstrom Osnabrück den Zellstoff auf diesem Wege. Der Versand von Produkten erfolgt ausschließlich mittels LKW.

Quellen

  • Hülsmann, Lothar: 125 Jahre Eisenbahn in Osnabrück
  • Osnbrück Marketing und Tourismus GmbH [Hrsg.]: Festschrift zum 1. Osnabrücker Dampflokfest
  • Osnbrück Marketing und Tourismus GmbH [Hrsg.]: Osnabrücker Dampflokfest 2006, Festschrift
  • Homepage der Stadtwerke Osnabrück

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