Das Ausbesserungswerk Osnabrück

Über den Werkstattstandort an der Schinkelstraße

Vom 01. April 1872 bis zum 15. September 2008 war das Gebiet an der Schinkelstraße – zwischen Buersche Straße und Bremer Straße ein bedeutender Standort für die Beheimatung, Ausbesserung, Wartung und Reinigung von Eisenbahnwaggons, wovon heute nur noch die große blaue Halle zeugt. Die DB Regio AG war der letzte Betreiber des Standortes, bevor das Werk an der Schinkelstraße zugunsten eines modernen Werkneubaus in Münster (Westf.) aufgegeben wurde.

Das DB Regio-Werk (ehem. Bw 2) – IC 2447 hat soeben den Hauptbahnhof in Richtung Berlin verlassen und biegt in die Schinkelkurve ein. Foto: M. Beermann

Im Jahr 1871 wurde Osnabrück mit dem Bau der Hamburg-Venlo-Bahn von Süden an das Eisenbahnnetz angeschlossen und bereits drei Jahre später waren auch die norddeutschen Städte Bremen und Hamburg mit Osnabrück verbunden. Für den Bahnbetreiber, die Köln-Mindener Eisenbahngesellschaft, entstand somit auch der Bedarf zur Wartung und Ausbesserung von Personen- und Güterwagen sowie Lokomotiven. Zu diesem Zwecke wurde gegenüber vom „Bremer Bahnhof“ ein Werkstattkomplex errichtet, der die vorgenannten Anforderungen erfüllte. Das erforderliche Gelände war durch Aufschüttungen aus dem Klushügel hergerichtet. Am 01. April 1872 wurde die „Werkstatt“ dem Betrieb übergeben. Bereits vier Jahre später wurde die Lokomotivwartung an die Bremer Straße in das neu errichtete Betriebswerk Hauptbahnhof verlagert.
Der steigende Eisenbahnverkehr führte in den folgenden Jahren zu einem steigenden Bedarf an Wartungs- und Instandhaltungskapazitäten, so dass ab Mitte der 1890er Jahre eine Erweiterung die „Hauptwerkstatt“ in Osnabrück erfolgte. Nachdem 1895 der neue Zentralbahnhof den provisorischen „Bremer Bahnhof“ überflüssig machte, wurde auf dem freigewordenen Gelände am Klushügel ein zusätzliches Bahnbetriebswagenwerk (Bww) errichtet.

Ansichtskarte um 1910: Südansicht der „Hauptwerkstätte“ zu Osnabrück (Sammlung H. Riecken)

Nach Gründung der „Deutschen Reichsbahn Gesellschaft“ im Jahr 1920 erhielt die „Hauptwerkstatt“ die Bezeichnung „Reichsbahn Ausbesserungswerk“ (RAW Osnabrück). Ab Mitte der 1920er Jahre zählte das RAW aufgrund seiner Werkstattanordnungen und der dadurch möglichen sequenziellen Bearbeitung der Wagen zu den modernsten und effizientesten Ausbesserungswerken in Deutschland. Ende der 1920er Jahre waren mehr als 550 Beamte und Arbeiter im RAW beschäftigt. Ende der 1930er Jahre entstand an der Mindener Straße, zwischen der Löhner und der Stahlwerkskurve ein zustätzlicher Standort für Güterwageninstandhaltung – das „Vorwerk“ – das ab 1955 dem nunmehrigen Bundesbahnausbesserungswerk als Außenstelle angegliedert wurde.

Nur fünf Jahre später – 1960 – schloss die Bundesbahn das AW Osnabrück und siedelte auf dem Gelände das Betriebswagenwerk (vormals Klusgruppe) an. Zunächst als „Bahnbetriebswagenwerk (Bww)“ und ab den 1980er Jahren als „Bahnbetriebswerk 2“ bezeichnet, waren hier Mitte der 1980er Jahre rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, die sich um die Reinigung, Wartung und Instandsetzung der hier beheimateten über 200 Reisezugwagen, 114 Trieb- und Mittelwagen der BR 624/924 und 634/934 (zunächst Bw 1, später Bw 2) sowie über 650 Bahndienst-, Bahnhofs- und Dienstgüterwagen kümmerten.

Dem Bw 2 war darüber hinaus eine Sonderwerkstatt angeschlossen, in die nach Schließung des Ausbesserungswerkes Mitarbeiter mit „beeinträchtigter Einsatzfähigkeit“ übernommen wurden. Mitte der 1980er Jahre stellten hier mehr als 50 Mitarbeiter Betriebsmittel für den bahninternen Eigenbedarf her.

Die Wagenhalle des Bw 2 umfasste insgesamt 11 Hallengleise, von denen 10 aus südlicher und alle 11 aus nördlicher Richtung angefahren werden konnten. Der nachstehende Gleisplan zeigt die Gleisanlagen des Bw 2 um ca. 1988.

Gleisplan des Betriebswerk 2 in Osnabrück im Jahr 1988 – Ausschnitt Sammlung osnabahn.de

Die Zufahrten wurden vom Wärterstellwerk „Ow“ gesteuert, welches ebenfalls in der Werkshalle in erhöhter Position eingerichtet war. Zu den Anlagen des Bw 2 zählten neben einer 1000V – 16 2/3 Hz Zugheizanlage auch zwei Wasch- und Reinigungsgleise (Gleise 67 und 68), ein Grubengleis für Fristarbeiten an Reisezugwagen (Gleis 77) sowie für die Triebwagen der BR 624/634 zwei spezielle Abstell- und Fristarbeitsgleise (Gleise 74 und 75) zur Verfügung.

Mit der 2. Stufe Bahnreform im Jahr 1999 übernahm die neugegründete DB Regio AG – Niedersachen/Bremen das ehemalige Bw 2. Mit der Bahnreform gingen auch weitere Änderungen einher, was sich zunächst darin zeigte, dass die gesamte Lokunterhaltung der DB Regio AG – Niedersachsen/Bremen fortan in Braunschweig geplant und durchgeführt wurde. Mit der Bahnreform wurde die Verantwortung für die Organisation des Nahverkehrs auf die Bundesländer übertragen und der Übergang zur Ausschreibung von Nahverkehrsnetzen gelegt. Als am 05. November 2000 die private NordWestBahn GmbH den Betrieb auf den Strecken nach Wilhelmshaven und Delmenhorst aufnahm, gingen auch Einsatzgebiete der BR 624/634 verloren. Ab dem Fahrplanjahr 2007 übernahm die private Westfalenbahn weitere Strecken, die zuvor von DB Regio erbracht worden waren. Dies betraf die Verkehre zwischen Osnabrück und Münster sowie von Bad Bentheim über Osnabrück nach Bielefeld und Paderborn. Eine Reduzierung der Personale im Werk war die Folge.

Das Werk wurde nun vorübergehend von DB Regio – NRW bis Fertigstellung einer neuen, modernen Werkstatt in Münster (Westf.) weitergeführt. Zunächst wurden auch noch neue Dieseltriebwagen der BR 642 und 644 in Osnabrück beheimatet. Zum 15.09.2008 wurde schließlich der Standort Osnabrück aufgegeben und die Wartung und Instandhaltung der Dieseltriebwagen in Münstern konzentriert.

Stand der Seite: 16. Januar 2022

Quellen

  • Lothar H. Hülsmann – 125 Jahre Eisenbahn in Osnabrück (1982)
  • Deutsche Bundesbahn – 130 Jahre Eisenbahn in Osnabrück (1985)
  • Bernhard Kovermann, Peter Kristandt – 125 Jahre Bahnbetriebswerk Osnabrück Hbf (2010)

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