Werk Rangierbahnhof

Zusammenfassung

Das Betriebswerk Osnabrück Rangierbahnhof (kurz Bw Rbf) lag an der Hamburger Straße im Stadtteil Osnabrück Fledder. Es wurde im Zuge des zentralen osnabrücker Rangier- und Verschiebebahnhofes gebaut und im Jahre 1914 fertiggestellt. Zwei große Ringlokschuppen, mit 34 Stellplätzen für Lokomotiven, verbunden durch ein Verwaltungsgebäude, sowie diverse Strahlengleise und zwei Drehscheiben deuten auf die Größe des Werkes hin. Es ersetzte die Werksanlagen an der Sandbachstraße, die noch aus der Zeit der „Hannoverschen Westbahn“ stammten.
Auch diesem Werk oblag das Warten und Instandhalten der hier beheimateten Dampf- und Kleindieseloks. Vom Bw Rbf wurden sämtliche Güterzüge, die den Rangierbahnhof verließen, und Personenzüge der unteren Ebene bespannt. Hier waren vorwiegend Güterzugloks, sowie die legendäre preußische Personenzuglokomotive P8, die spätere Baureihe 38 beheimatet. Hinzu kamen die Gütertriebwagen VT69 sowie vier Schienenbusse VT95.
Das Bw Rbf wurde während des 2. Weltkrieges stark beschädigt, die Aufrechterhaltung des Betriebes war nur durch eine starke Erhöhung der Wochenarbeitszeit auf 60 Stunden und Fremdarbeiter zu verwirklichen. 1945 waren nahezu alle betrieblichen Einrichtungen durch den alliierten Bombenkrieg zerstört.
Bereits 1960 hielt die erste Großdiesellok der Baureihe V60 beim Bw Rbf Einzug. Sie läutete das Ende der Dampflokzeit ein, obwohl noch bis in die 70er Jahre Dampfloks ausgebessert wurden. Diese waren dann jedoch nicht mehr hier beheimatet. Im Jahre 1973 hörte das Bw Rbf auf, als eigenständige Dienststelle zu existieren, es wurde mit dem Betriebswerk Osnabrück Hauptbahnhof zum Betriebswerk Osnabrück vereinigt. Seit Anfang der 80er Jahre diente der Ringlokschuppen nur noch der Abstellung von Rangierlokomotiven, ab 1985 wurde der Standort Fledder gänzlich aufgegeben. Die Drehscheibe West blieb noch einige Jahre darüber hinaus in Betrieb.
Der Lokschuppen steht unter Denkmalschutz und kann daher nicht abgerissen werden. Zur Zeit laufen Überlegungen, den Lokschuppen in eine Mehrzweckhalle, die 7000 Menschen Platz bieten soll, umzubauen.

Langtext

Als die königliche Eisenbahndirektion zu Münster 1905 den Bau des neuen zentralen Güter- und Verschiebebahnhofs im Stadtteil Osnabrück – Fledder anordnete, war klar, dass ein neues Betriebswerk für Lokomotiven Teil der Gesamtanlage werden würde. Dieses Werk sollte die mehr als 50 Jahre alten Werkstätten an der Sandbachstraße ablösen. Dennoch begannen die Planungen für den Bau des Werkes erst im Jahre 1909, da man bei den wasserbaulichen Maßnahmen auf erhebliche Probleme stieß. Auch wurden die Baupläne während der eigentlichen Baumaßnahmen immer wieder abgeändert, so dass sogar 1912 noch letzte Änderungen vorgenommen wurden. Grundsätzlich war man aber bei den anfänglichen Überlegungen geblieben, die den Bau von zwei halbkreisförmigen Lokschuppen vorsahen.

Die beiden Schuppen waren durch ein Verwaltungsgebäude baulich miteinander verbunden. Insgesamt verfügte das Werk über 34 Lokstellplätze, die über zwei Drehscheiben zu erreichen waren und diverse Strahlengleise, auf denen ebenfalls Loks abgestellt werden konnten. Wegen der oben genannten Verzögerungen wurde das Bw Rbf erst über ein Jahr nach dem Rangierbahnhof in Betrieb genommen.
Hier wurden nun alle Güterzuglokomotiven, die in Osnabrück beheimatet waren zusammengezogen. Darüber hinaus oblag es dem Bw, Aufrüstungsarbeiten für Loks durchzuführen, die in Osnabrück endeten, hier jedoch nicht beheimatet waren. Hierzu zählten auch die Maschinen der Großherzoglichen Oldenburgischen Eisenbahn, bis diese nach dem 1. Weltkrieg aufgelöst wurde.
Das Betriebswerk Rbf liegt an der Hamburger Straße. Es wurde in seiner Geschichte auch Bw Güterbahnhof(Gbf) und Bw Verschiebebahnhof(Vbf), je nachdem, wie der Rangierbahnhof gerade bezeichnet wurde, genannt.
Lokbestände am 31.10.1925:

Baureihen

Stückzahl

38

14

5516

5

55 25-56

25

5710

13

8970 / T3

1

925

6

945

17

Der Personal- und Fahrzeugbestand des Werkes stieg seit seiner Gründung bis zum Ende des 2. Weltkrieges stetig an. Waren 1928 noch 273 Menschen hier beschäftigt, so waren es 1935 bereits 354.
Wie schon beim Bw Hbf erwähnt, wirkte sich die Machtübernahme der Nazis auch beim Bw Rbf in Form einer sehr großen Steigerung der Laufleistung hier beheimateter Maschinen aus.
Lokbestände zum Sommerfahrplan 1938:

Baureihe

Stück-Plandienst

Stück-Reserve

172 (S10/2)

5

1

3810 (P8)

6

5

5516 (G8)

2

55 25-56 (G81)

5

4

5620 (G82)

5

1

5710 (G10)

9

3

745 (T12)

4

925 (T13)

3

1

935 (T141)

5

945 (T16)

5

1

VT 10 (699)

1

In Zahlen ausgedrückt bedeutete dies, dass zwischen den Jahren 1933 und 1935 die Laufleistungen von 197.792 km auf 241.184 km anstieg, was einer Szeigerung von 22% entspricht. Eine Folge war, dass zwischen Juli und Oktober 1935 50 Züge nicht vom Bw Rbf aus bespannt werden konnten, obwohl der Lokbestand von 43 auf 54 (25%) gestiegen war, jedoch mangelte es an Personal.
Bis in den Krieg hinein änderte sich an der dramatischen Personalsituation des Betriebswerkes nichts: 60 Wochenstunden Arbeit waren, nicht nur bei dieser Dienststelle normal, so dass nahezu alle von hier aus bespannten Züge mit Verspätungen fuhren.
Der seit 1942 einsetzende Bombenkrieg richtete zunehmend Zerstörungen an Anlagen und Maschinen an, so dass zu ihrer Beseitigung Zwangsarbeiter aus dem Osten eingesetzt werden mussten. Das deutsche Personal wurde zunehmend zum Waffendienst herangezogen. Auch weibliche Zwangsarbeiter mussten hier arbeiten.
Trotzdem versank das Bw Rbf bis Kriegsende in Schutt und Asche, bei dem schwersten Angriff auf Osnabrück am Palmensonntag 1945 wurde das Werk vollkommen zerstört.
584 Mitarbeiter, die sich um den Wiederaufbau und den Fahrdienst, sowie die Instandsetzung der Maschinen kümmerten, waren ab 1946 bei dem Werk beschäftigt. Auf Grund der schweren Kriegsschäden, die Osnabrück erlitten hatte, zogen sich die Aufbauarbeiten bis in die 50er Jahre hinein.
Es wurden zwei nebeneinander liegende Entschlackungsgruben und die beiden Drehscheiben mit je 23 Meter Durchmesser errichtet.
Darüber hinaus befand sich hier eine Batterieanlage für Akkufahrzeuge und zwei je 25000 Liter fassende Tankbehälter.
Weiterhin waren nun alle drei VT69 Stückgut – Schnelltriebwagen, vier VT 95, zwei Kleinloks vom Typ Kö1 und 14 KöII im Betriebswerk Rbf beheimatet. Auch ein Ortsgerätewagen gehörte zum Bestand des Werkes.
Die V60 – 600 läutete als erste Großdiesellok das Ende des Dampflokzeitalters für Osnabrück ein. Vom 8.11.1960 – 8.2.1990 war sie in Osnabrück beheimatet, zuerst beim Bw Rbf. Ihre Gesamtlaufleistung in Osnabrück: betrug 116.800 km.
Auch das Bw Rbf musste 1968 die letzten Dampfloks an andere Bw´s abgeben, jedoch verließen die letzten erst 1976 das Werk, nachdem die Strecke Osnabrück – Löhne elektrifiziert worden war.
Am 30.06.1973 verlor das Werk seine Eigenständigkeit, als es mit dem Bw Hbf zum Bw Osnabrück zusammengefasst wurde.
Nach und nach wurde die Ausbesserung von Loks zum ehemaligen Bw Hbf verlagert, so dass der Ringlokschuppen im Fledder nur noch für das Abstellen von Rangierloks genutzt wurde. Ende der 80er Jahre wurde der Standort im Fledder aufgegeben.
Heute steht der Lokschuppen unter Denkmalschutz und ist gleichsam in einen Dornröschenschlaf gefallen. Die Zukunft wird zeigen, was aus dem ehrwürdigen Gebäude

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