KBS 12387 – Wittlager Kreisbahn

Daten der Strecke:

KBS 12387 / VzG-Strecke 9168, Holzhausen-Heddinghausen – Bohmte , Streckenhöchstgeschwindigkeit km/h
Fertigstellung: 1914
Streckenverlauf und Betriebsstellen:

  • 0,0 Holzhausen-Heddinghausen
  • 4,2 Preußisch Oldendorf
  • 6,5 Dahlinghausen
  • 8,4 Lintorf (Han)
  • 10,1 Rabber
  • 12,7 Wittlage
  • 14,8 Bad Essen
  • 17,0 Wehrendorf
  • 20,5/0,0 Bohmte
  • 6,2 Vosberg
  • 8,9 Hunteburg
  • 13,0 Schwegermoor
  • 20,0 Damme

Die Entstehung der Wittlager Kreisbahn

Die Gründung des Eisenbahnbauvereins vom 24.05.1891 zur Erschließung des überwiegend landwirtschaftlich geprägten Kreises Wittlage (heute Landkreis Osnabrück) markiert den Beginn der Wittlager Kreisbahn. Für ihren Bau bewilligten die Kreise Wittlage und Lübbecke zusammen 750.000 Goldmark. Der Beschluss zum Bau einer vollspurigen Nebenbahn von Holzhausen-Heddinghausen über Preußisch Oldendorf nach Bohmte wurde 1897 gefasst. Ihm folgte am 4. März 1898 die Gründung der Wittlager Kreisbahn AG, an der neben Privatpersonen und Unternehmern auch der Staat Preußen, das Großherzogtum Oldenburg, die preußische Provinz Hannover, der Amtsverband Vechta und die Stadt Preußisch Oldendorf beteiligt waren. Schon am 09.08.1900 ging die 20,5 Kilometer lange Strecke der WKB zwischen Holzhausen und Bohmte in Betrieb, an beiden Endpunkten bestanden Anbindungen an die Staatsbahn. Im April 1914 konnte dann die zweite Strecke von Bohmte nach Damme mit ebenfalls rund 20 Kilometer Länge dem Betrieb übergeben werden. In Damme wurde der dritte Staatsbahnanschluss, hier an die Großherzogliche Oldenburgische Eisenbahn, realisiert. Auf diese Weise wurde auch das Torfgebiet um Schwegermoor durch die Eisenbahn erschlossen, das Streckennetz der Wittlager Kreisbahn hatte mit gut 40 Kilometern seine größte Ausdehnung erreicht, insbesondere die beidseitige Verknüpfung mit der Hamburg-Venlo-Bahn in Bohmte sorgte für eine gute Verkehrsanbindung der Gemeinden entlang der Wittlager Kreisbahn. In Bohmte und Preußisch Oldendorf unterhielt die Wittlager Kreisbahn jeweils Lokschuppen für ihre Fahrzeuge.

Eisenbahnbetrieb auf der Wittlager Kreisbahn

Der Personenverkehr auf der Wittlager Kreisbahn wurde nicht nur durch die Übergänge zur Staatsbahn sehr gut angenommen, sondern bedeutete auch eine vergleichsweise kurze Reisezeit zwischen den angeschlossenen Ortschaften des Landkreises. Knapp 80.000 Fahrgäste nutzten die Wittlager Kreisbahn bereits im Eröffnungsjahr. Innerhalb der folgenden sieben Jahre konnte diese Zahl verdoppelt und bis zum Ende des Ersten Weltkrieges auf mehr als 470.000 Personen gesteigert werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg dehnte die Wittlager Kreisbahn ihre Reisezugfahrten über Holzhausen-Heddinghausen bis Lübbecke im Einvernehmen mit der Bundesbahn aus. Nach schwankenden Beförderungszahlen in den 1950er Jahren konnte 1961 mit mehr als 757.000 Fahrgästen ein Rekord verbucht werden. In Folge des Eisenbahnbaus siedelten sich nach dem Ersten Weltkrieg zunehmend Industriebetriebe entlang der Wittlager Kreisbahn an, so dass neben klassisch landwirtschaftlichen Gütern wie Kartoffeln, Schlachtvieh und Dünger auch Holz, Möbel und Maschinen zu den Transportgütern zählten. Darüber hinaus stellte Torf ein wesentliches Transportgut dar.

Rückgang und Einstellung des Verkehrs

Der rasant wachsende Individualverkehr zeigte seit den 1960er Jahren auch bei der Wittlager Kreisbahn seine Wirkung. Die Reisendenzahlen waren stark rückläufig und betriebswirtschaftliche Gründe zwangen die Wittlager Kreisbahn bereits 1961 die Betriebsführung auf ihrer Strecke der Bentheimer Eisenbahn zu übertragen, welche diese bis 1978 inne hatte. Ebenfalls im Jahr 1961 schieden die Dampflokomotiven bei der Wittlager Kreisbahn aus, moderne Dieseltriebwagen übernahmen die Personenbeförderung, die Diesellok hielt im Güterverkehr Einzug. Trotzdem musste der Personenverkehr in Ermangelung der Nachfrage zum Sommerfahrplan 1962 zwischen Damme und Schwegermoor eingestellt werden, im Güterverkehr kam das Aus ein Jahr später. Der Abschnitt wurde noch im selben Jahr zurückgebaut, so dass Schwegermoor nun Endpunkt der WKB war. Den sich ändernden Rahmenbedingungen Rechnung tragend, kamen nun Straßenbusse zum Einsatz, verbunden mit einer starken Ausdünnung des Personenverkehrs auf der Schiene. Seit dem Winterfahrplan 1966/67 verblieben lediglich einige, wenige Schülerzüge auf der Stammstrecke zwischen Preußisch Oldendorf und Bohmte, die entgültige Einstellung des planmäßigen Schienenpersonenverkehrs erfolgte 1971 zu Gunsten der Busbeförderung. 1976 trug man dieser Entwicklung durch Errichtung einer neuen Omnibushalle mit Werkstatt und angeschlossenen Sozialräumen in Bohmte Rechnung.
Der Verein „Museumseisenbahn Minden e.V.“ (MEM) betreibt seit seinem Gründungsjahr 1977 mit historischen Dampfzügen einen Museumsbetrieb auf den Gleisen des Altkreises. Diese Verkehre werden Jahr für Jahr gut angenommen, was stetig steigende Passagierzahlen belegen. 1999 fuhren insgesamt rund 32.000 Fahrgäste in den nostalgischen Wagen über die Wittlager Kreisbahn. Ein eigener Bahnsteig am Bahnhofvorplatz Bohmte dient der MEM als Start- bzw. Zielpunkt.
Auch der Güterverkehr blieb von dieser Entwicklung nicht verschont, die Transportmengen sanken dramatisch ab und erreichten mit nur noch 14.000 Tonnen im Jahr 1994 ihren Tiefststand. Vor diesem Hintergrund fasste der Osnabrücker Kreisausschuss 1997 einen sogenannten „schwebenden Einstellungsbeschluss“ zur Stillegung der verbliebenen Schieneninfrastruktur der Wittlager Kreisbahn.

Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück (VLO)

1989 trat die Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück GmbH die Rechtsnachfolge der Wittlager Kreisbahn AG an und übernahm von ihr in diesem Zusammenhang auch die Betriebsführung und die Schieneninfrastruktur. Sitz des Unternehmens, deren Eigentümer die Landkreise Osnabrück und Minden-Lübbecke, die Gemeinde Bohmte sowie die Städte Preußisch Oldendorf und Damme sind, ist Bohmte. 1990 übernahm die VLO im Auftrag des Landkreises Osnabrück die Neuorganisation der Schülerbeförderung im Altkreis. 2007 befanden sich 21 Linienbusse im Osnabrücker Land im Einsatz, der Werkstattstützpunkt in Bohmte wurde 1995 umfassend modernisiert.
Im schienengebundenen Güterverkehr verzeichnete die VLO seit Mitte der 1990er Jahre wieder Zuwächse, so betrug die Frachtmenge im Jahr 2000 wieder 77.000 Tonnen, in 2006 waren es sogar mehr als 100.000 Tonnen. In den vergangenen Jahren lag das Güteraufkommen auf der Strecke 60.000 und 100.000 Tonnen. Darüber hinaus gelang es der VLO Neukunden entlang ihrer Stammstrecke, die vom Industriegebiet Bohmte bis Wittlage führt, zu generieren. Der Streckenabschnitt bis Preußisch Oldendorf wird für Museumsfahrten in betriebsbereitem Zustand gehalten, der Abschnitt weiter bis Holzhausen war ab 1996 für den Betrieb gesperrt. Den Streckenabschnitt zwischen Schwegermoor und Bohmte sperrte die VLO im Januar 2000 für den Eisenbahnverkehr wegen des schlechten Gleiszustandes.
Zu den Aktivitäten der VLO gehören Be- und Entladedienste im Bahnhof Bohmte. Hier erwarb die VLO von der Deutschen Bahn drei Nebengleise inklusive der alten Ladestraße. Mehre tausend Tonnen Dünger werden hier jährlich umgeschlagen. Ferner obliegen der VLO die Betriebsführung für die Ankum-Bersenbrücker Eisenbahn GmbH, die Hüttenbahn des Stahlwerks Georgsmarienhütte sowie des niedersächsischen Teils des Haller Willem.

Gegenwart und Zukunft der Wittlager Kreisbahn

Seit 2014 besteht ein Arbeitskreis aus der Initiative Wittlager Kreisbahn, den Kommunen Bad Essen, Bohmte, Ostercappeln, Preußisch Oldendorf und der Planungsgesellschaft Nahverkehr Osnabrück mit dem Ziel, die Strecke Bohmte – Holzhausen im Rahmen eines möglichen Regionalbahnkonzeptes für Osnabrück für den Personenverkehr zu reaktivieren. 2015 begannen die Arbeiten auf diesem Abschnitt, um Gleise, Bahnkörperm Brücken und Bahnübergänge zu sanieren, verstärken und zu modernisieren. Allein im Jahr 2018 wurde eine Investitionssumme von 1,8 Millionen Euro auf der Strecke umgesetet. Seit Ende 2017 ist der vormals gesperrte Streckenabschnitt von Preußisch Oldendorf bis Offelten wieder befahrbar. Ziel der Instandsetzung der Eisenbahntrasse ist die Wiederherstellung der durchgängigen Verbindung für einen regelmäßigen Güterverkehr zwischen Bohmte und Bad Holzhausen in der zweiten Hälfte des Jahres 2022. Die Strecke soll dann im Güterverkehr intensiver genutzt werden.

Quellen:

  • Wikipedia
  • Hülsmann, Lothar H. (2003); Die Zeit der Deutschen Bundesbahn in und um Osnabrück 1949-1994
  • Museumseisenbahn Minden e.V.
  • Verkehrsgesellschaft Landkreis Osnabrück
  • Wittlager Kreisblatt diverse Artikel:
  • Traditionspflege auf Gleisen der Wittlager Kreisbahn (31.01.2007)
  • Wohin führt der Weg der Eisenbahn? (01.12.2006)
  • Das Güteraufkommen steigt auf mehr als 100.000 Tonnen (01.12.2006)
  • Unterwegs auf den alten Gleisen der Kreisbahn (26.04.2006)
  • Gibt es einen Hoffnungsschimmer für die Kreisbahn? (11.07.2001)

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