KBS 392/394 – Oldenburger Südbahn

Daten der Strecke

KBS 392 / VzG-Strecke 1502, Oldenburg – Osnabrück-Eversburg, Streckengeschwindigkeit: 120 km/h
KBS 394 / VzG-Strecke 1560, Delmenhorst – Hesepe, Streckengeschwindigkeit: 80 km/h
Bauzeit: 1870 – 1876
Streckenverlauf und Betriebsstellen (KBS 392):

  • 62,7 Quakenbrück
  • 76,7 Bersenbrück
  • 82,2 Alfhausen
  • 89,4 Hesepe
  • 92,6 Bramsche
  • 96,2 Achmer
  • 97,4 Awanst Achmer Süd
  • 102,1 Hp Halen
  • 108,0 Osnabrück-Eversburg
Ein Zug der NordWestBahn vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude Eversburg mit dem Ziel Osnabrück Hbf. Die Aufnahme entstand am 05.09.2004.

Streckenverlauf und Betriebsstellen (KBS 394):

  • 47,8 Vechta
  • 55,9 Lohne (Oldenburg)
  • 61,2 Hp Mühlen (Oldenburg)
  • 64,2 Hp Steinfeld (Oldenburg)
  • 68,6 Hp Holdorf (Oldenburg)
  • 78,2 Neuenkirchen (Oldenburg)
  • 82,4 Hp Rieste (Kreis Bersenbrück)
  • 87,8 Hesepe
Am 18.06.2006 hat NWB 81361 den Bahnhof Wildeshausen erreicht und wartet die Kreuzung mit dem Gegenzug nach Osnabrück ab.

Planung der Oldenburger Südbahn

Die Oldenburger Südbahn der Großherzoglich Oldenburgischen Eisenbahn (GOE) führte von Oldenburg nach Osnabrück und war die längste Strecke des Herzogtums. Überlegungen für den Bau einer Eisenbahnlinie im Bereich Quakenbrück, damals die südlichste Stadt des Herzogtums, gehen bis ins Jahr 1850 zurück. Es wurden Eisenbahn komitees und -vereine gegründet und viele Überlegungen über einen möglichen Trassenverlauf angestellt. Die damals Verantwortlichen im Großherzogtum waren, obwohl Oldenburg bereits an das Eisenbahnnetz über Bremen angeschlossen war, sehr stark an einer Nord Süd Verbindung interessiert und hofften, dass die Paris-Hamburg-Bahn über die südlichen Landesteile gebaut wurde.

Doch im Jahre 1868 begann die Köln-Mindener Eisenbahn mit dem Bau der Paris-Hamburg-Bahn über Osnabrück und Diepholz, das Großherzogliche Territorium wurde nicht einmal berührt. Als Antwort hierauf beschloss der oldenburgische Landtag im Jahre 1870 den Bau der Oldenburgischen Südbahn bis Quakenbrück und ein Jahr später den Bau der Gesamtstrecke bis Osnabrück. Preußen verweigerte jedoch zunächst den Bau der Südbahn über sein Gebiet, da es eine Konkurrenz zu der gerade erst in Betrieb genommenen Paris-Hamburg-Bahn fürchtete. Auch waren die Verantwortlichen nicht bereit, den Streckenabschnitt Quakenbrück – Osnabrück selber zu bauen. Erst 1873 gab die preußische Regierung ihre Zustimmung zum Weiterbau der Südbahn bis Osnabrück durch die GOE.

Bau der Strecke

Im Frühjahr 1873 wurde mit dem Bau der Strecke von Oldenburg aus begonnen und am 15. Oktober 1875 auf dem Teilstück Oldenburg – Quakenbrück dem Betrieb übergeben.
Noch in dem selben Jahr wurden die Arbeiten an der Südbahn in Richtung Osnabrück fortgesetzt und am 30.06.1876 abgeschlossen. Einen Tag später wurde die Stecke zum ersten Mal in voller Länge von einer Lokomotive befahren. Am 15.11.1876 erfolgte die offizielle Streckeneröffnung.

Die Reisezüge der GOE fuhren ab Eversburg rund 4 Kilometer auf den Gleisen der ehemaligen Westbahn und endeten am Hannoverschen Bahnhof, während die Güterzüge in Eversburg endeten. Das Großherzogtum Oldenburg war nun über Osnabrück mit Industriezentren an Rhein und Ruhr verbunden.

Entwicklung der Strecke

Obwohl die Strecke ab Quakenbrück über preußischen Gebiet verlief, gehörten Bahnanlagen sowie das gesamte Eisenbahnpersonal einschließlich des Bahnhofs Osnabrück-Eversburg zur GOE. Diese behielt die Zuständigkeit hierfür bis zu ihrer Auflösung im Jahre 1918, als die Zuständigkeit für die Strecke durch die Reichsbahndirektion Oldenburg übernommen wurde.

Im Jahre 1900 wurde nördlich von Bramsche noch eine weitere Bahnstrecke der GOE an das bestehende Streckennetz angeschlossen, sie führte von Delmenhorst bis Hesepe. Der Ursprung dieser Eisenbahnstrecke liegt zwischen Lohne und Vechta, wo 1888 eine Bahnlinie in Betrieb genommen wurde. Für das Amt Vechta war ein Anschluss an das bestehende Eisenbahnnetz äußerst wichtig, und es gelang 1894 nach längeren Verhandlungen mit der preußischen Regierung die Weiterführung der Strecke bis Hesepe zu erreichen. Damit war ab dem 01.05.1900 auch Vechta über die Schiene mit dem Eisenbahnknoten Osnabrück verbunden.

Bis Anfang der 1940er Jahre hielten in Eversburg nur Züge von Oldenburg und Delmenhorst. Erst ab dieser Zeit hielten auch die Züge von und nach Rheine in Eversburg. Das Empfangsgebäude des eversburger Bahnhofs ist in seiner gemischten Stein- und Fachwerkbauweise eines der schönsten Bahngebäude im osnabrücker Raum. Heute ist der Bahnhof Eversburg nicht mehr örtlich besetzt und es halten dort keine Reisezüge mehr. Die Weichen und Signale des Bahnhofes werden vom Zentralstellwerk in Osnabrück aus ferngestellt.

Die Strecke wird vorwiegend im Personennahverkehr bedient. Im Laufe der Zeit gab es lediglich ein bescheidenes Fernverkehrsangebot mit einzelnen Schnellzügen auf der Strecke (zuletzt Mitte der 1990er Jahre mit dem Schnellzugpaar Köln – Wilhelmshaven).

Wegen der fehlenden Oberleitung sind Fahrten mit E-Loks nicht möglich. Bereits Mitte der 1990er Jahre wurde eine Elektrifizierung der Bahnstrecke erwogen, jedoch wieder verworfen.

Heutige Situation

Die Strecke wird heute im Regionalverkehr jeweils stündlich mit Dieseltriebwagen vom Typ Lint 41 der NordWestBahn bedient. Auf der Strecke verkehrt die Linie RE18 Osnabrück – Cloppenburg – Oldenburg – Wilhelmshaven sowie die Linie RB58 Osnabrück – Vechta – Delmenhorst – Bremen.

Güterverkehr findet auf der Strecke aktuell noch zur Erdgasaufbereitungsanlage in Großenkneten, zum Futtermittelwerk in Höltinghausen sowie zum Tanklager in Hesepe statt.

Zukunftsausblick: Geplanter Ausbau

Im Zusammenhang mit der Anbindung des Jade-Weser-Ports bei Wilhelmshaven ist der Ausbau der Strecke Oldenburg – Osnabrück geplant, um die Bahnstrecke zwischen Oldenburg und Bremen vom erwarteten zusätzlichen Güterverkehr entlasten zu können.

Zur Diskussion stehen immer wieder die Elektrifizierung der Strecke sowie der teilweise oder vollständige zweigleisige Ausbau. Konkrete Planungen für den weiteren Ausbau wurden jedoch bisher nicht aufgenommen, nachdem ein Streckenausbau im Bundesverkehrswegeplan 2030 abgelehnt wurde.

Bahnhof Eversburg

Den südlichen Endpunkt dieser längsten Strecke der „Großherzoglichen Oldenburger Eisenbahn“ (GOE) bildete der Bahnhof Osnabrück-Eversburg. Obwohl sich dieser Bahnhof bereits auf preußischen Staatsgebiet befand, war das Bahnhofspersonal bei der GOE angestellt. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges 1918 endete auch die Zeit der Länderbahnen und die neu gegründete Reichsbahndirektion Oldenburg übernahm die Zuständigkeit über den zweit größten osnabrücker Bahnhof bis zu ihrer Auflösung 1931. Erst von da an gehörte der Bahnhof Eversburg, wie alle übrigen osnabrücker Bahnanlagen, zur Reichsbahndirektion Münster und schließlich ab 1974 zur Bundesbahndirektion Hannover.

Während die Reisezüge der GOE, nach einem Halt im Bahnhof, zum „Hannoverschen Bahnhof“ und ab 1895 zum osnabrücker Zentralbahnhof weitergeführt wurden, endeten deren Güterzüge in Eversburg. Da der Bahnhof Eversburg den Schnittpunkt zwischen zwei Länderbahnen darstellte, musste hier auch die Wagenübergabe zwischen GOE und KPEV (Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung) im Güterverkehr abgewickelt werden. Entsprechend dieser Tatsache wurde die Gleisanlagen recht großzügig gestaltet, Eversburg erhielt sogar einen eigenen Bahnmeistereibezirk, den Bezirk XXI, der bis zum Jahr 1900 Bestand hatte.

Ein Zug der NordWestBahn vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude Eversburg mit dem Ziel Osnabrück Hbf. Die Aufnahme entstand am 05.09.2004.
Ein Zug der NordWestBahn vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude Eversburg mit dem Ziel Osnabrück Hbf. Die Aufnahme entstand am 05.09.2004.

Wie damals üblich erhielt auch Eversburg eine Güter- und Expressgutabfertigung sowie eine Fahrkartenausgabe. Die damalige Bedeutung dieses Bahnhofs wird ersichtlich, da hier bereits 1887 elektrische Streckenblockeinrichtungen installiert wurden, um der Sicherheit des anfallenden Bahnbetriebes Rechnung zu tragen. In diesem Zusammenhang muss auch die Errichtung eines erhöhten Stellwerksgebäudes im Jahre 1896 gesehen werden, welches den Weichenwärtern einen besseren Überblick über das Rangiergeschehen verschaffen sollte.

Eine weitere Bedeutungssteigerung erlebte die Dienststelle Eversburg, als 1903 die Schmalspurbahn zwischen Osnabrück-Eversburg und Recke, ab 1905 weiter bis nach Rheine, parallel zur „Hannoverschen Westbahn„, dem Betrieb übergeben wurde. Es handelte sich hier um eine 1000mm Schmalspurbahn, die in Eversburg endete. Die Züge dieser privaten „Kleinbahn Piesberg-Rheine“ endeten zwangsläufig in Eversburg, Reisende nach Osnabrück mussten auf die GOE umsteigen. Die Frachten der Kleinbahn im Güterverkehr wurden auf normalspurige Wagen umgeladen.
Um der Staatsbahn auf der Strecke Osnabrück – Rheine keine Konkurrenz machen zu können, war der Bau der Kleinbahn nur unter der Bedingung genehmigt worden, dass es zwischen Eversburg und Rheine keinen durchgehenden Güterverkehr geben durfte.

Um dem gestiegenen Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, entstand 1906 neben dem alten Bahnhofsgebäude, dass fortan als Wohnhaus genutzt wurde, ein neuer größerer Bau in Stein- und Fachwerkbauweise. Dieser ansprechende Bau ist noch heute zu sehen, steht jedoch mittlerweile leer und ist dem Verfall preisgegeben. Weiterhin wurden die Verladeanlagen modernisiert und den gestiegenen Bedürfnissen angepasst.
Neben dem Gleisanschluss zum Hasestollen auf dem Piesberg (welcher der erste osnabrücker Gleisanschluss war), befanden sich im Bahnhof Eversburg drei weitere Gleisanschlüsse privater Firmen. Über den ersten Anschluss sind heute die Klöckner-Durilit-Werke zu erreichen, und ebenso die Osnabrücker Dampflokfreunde, die ihr Domizil im alten Zechenbahnhof am ehem. Hasestollen bezogen haben.

Das Jahr 1913 bedeutete für den Bahnhof Eversburg ein Absinken in seiner Bedeutung. Nachdem in diesem Jahr der Zentrale Verschiebebahnhof im osnabrücker Stadtteil Fledder fertiggestellt wurde, erfolgte das Auflösen und Bilden der GOE Güterzüge hier und nicht mehr am Endpunkt der Länderbahn. Die anfallenden Rangierarbeiten beschränkten sich nun auf das Zustellen von Wagensendungen an die Firmen mit Gleisanschluss im Bahnhofsbereich. Seit dem Jahr 1935, nachdem die Kleinbahn auf die normale Spurbreite von 1435mm umgerüstet worden war, wurden der Personen- und Güterverkehr bis Osnabrück verlängert. Die Bahnstrecke erhielt den Namen „Tecklenburger Nordbahn„, den sie auch heute noch trägt. Für ihre Reisenden mit dem Ziel Osnabrück entfiel nun das Umsteigen in Eversburg. Hier unterhielt die Tecklenburger Nordban neben der Stück- und Expressgutabfertigung der Staatsbahn eine eigene Güterabfertigung.
Im gleichen Jahr, 1935, wurden das Fahrdienstleiterstellwerk „Ef“ (Bauweise Einheit) am östlichen und das Weichenwärterstellwerk „En“ (Bauweise Jüdel) am nördlichen Bahnhofskopf in Betrieb genommen. 1937 folgte im Westen das Wärterstellwerk „Ew“ (Bauweise Einheit). Im Zuge der großen Modernisierung der Stellwerks- und Signaltechnik im osnabrücker Raum, ab Mitte der 1960er Jahre, entstand am Standort des Wärterstellwerks „En“ ein neues Spurplanstellwerk „Oe“ der Firma Siemens, welches die drei mechanischen Stellwerke 1968 ablöste. Während der Bauzeit wurde das Stellwerk „En“ in einem Eisenbahnwagen untergebracht und das alte Stellwerksgebäude abgerissen.

Anfang der 1940 Jahre erlebte Osnabrück-Eversburg im Personenverkehr eine deutliche Aufwertung, da jetzt auch die Personenzüge auf der direkten Strecke von Osnabrück nach Rheine in Eversburg hielten. Nach 65 Jahren konnten nun Reisende von der oldenburger Strecke in Eversburg direkt nach Rheine umsteigen, ohne den Umweg über Osnabrück in Kauf nehmen zu müssen.

Jüngste Vergangenheit: Bahnhof Eversburg verliert an Bedeutung

1967 stellte die Tecklenburger Nordbahn den Personenzugverkehr ein, eine Folge des steigenden Individualverkehres und der verbesserten Busanbindungen der Gemeinden Recke, Mettingen und Westerkappeln an Osnabrück. Doch dieses Ereignis sollte nur der Auftakt sein, denn bis zum Ende der 70er Jahre wurde die Stückgutabfertigung (1970) der Deutschen Bundesbahn, die Güterabfertigung der TBN (1974), die Expressgutabfertigung (1976) und schließlich die Fahrkartenausgabe (1979) aufgelassen. Etwa 10 Jahre später, gegen Ende der 1980er Jahre hielten die Nahverkehrszüge zwischen Osnabrück und Rheine nicht mehr in Eversburg, Anfang der 1990er Jahre passierten auch die Reisezüge auf der Oldenburger Südbahn den Bahnhof Eversburg ohne Halt.

Heute (im Jahre 2003) wird auch das Stellwerk „Oe“ vom Zentralstellwerk „Of“ am osnabrücker Hauptbahnhof ferngesteuert, so dass Eversburg nur noch ein unbesetzter Betriebsbahnhof und eine Abzweigstelle ist. An der Strecke nach Oldenburg werden zwei Überholungsgleise vorgehalten, eines, falls Personen- oder Güterzüge außerplanmäßig gekreuzt werden müssen. An das zweite Gleis sind die Klöckner-Durilit-Werke und die „Osnabrücker Dampflokfreunde“ angeschlossen. In diesem Gleis endet auch die tägliche Cargo Bedienfahrt, die Güterwagen vom osnabrücker Rangierbahnhof mitbringt.
Die RVM (Regionalverkehr Münsterland GmbH) wickelt auf der Tecklenburger Nordbahn das dort entstehende Frachtaufkommen ab. Ihre Züge fahren z.Z. zwei Mal täglich über Eversburg bis Osnabrück Rbf, wo sie aufgelöst und auf andere Züge verteilt werden.
An der ehemaligen „Hannoverschen Westbahn“ wurden die Zugangsweichen zu dem Bahnsteig- und Überholgleis der Richtung Rheine – Osnabrück ausgebaut, obwohl Schienen und Bahnsteig noch vorhanden sind.

Gleislageplan Eversburg
Schematischer Gleislageplan Eversburg (ca. 1960)

Quellen

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