KBS 375

Die Hannoversche Westbahn

Daten der Strecke

KBS 375 Löhne – Rheine (Streckengeschwindigkeit 140 km/h)
Bauzeit: 1854 – 1856
Streckenverlauf und Betriebsstellen:
85,2 Löhne (Westfalen)
90,2 Kirchlengern
95,2 Bünde (Westfalen)
98,2 Awanst Bünde Stadt
103,9 Bruchmühlen
111,2 Melle
113,3 Anschluss Melle Euer Heide
116,7 Westerhausen
122,3 Wissingen
Lüstringen
Osnabrück Hbf
133,7 Osnabrück Hasetor
137,4 Osnabrück Eversburg
142,9 Lotte
148,1 Velpe
154,1 Laggenbeck
158,5 Ibbenbühren
163,7 Esch (Westfalen)
168,1 Hörstel
178,0 Emsbrücke
179,8 Rheine

Planung und Beschluss

Schon im Jahre 1844 befasste sich der Handelsverein damit, Osnabrück an das in Deutschland bestehende Eisenbahnnetz anzuschließen. Am 15.10.1847 wurde die für Osnabrück wichtige Strecke von Hannover nach Minden eröffnet. In Minden bestand von dort Anschluss an die Köln-Mindener Eisenbahn.
Eine Verbindung von Hannover zu den Häfen Leer und Emden wurde zunächst über Nienburg, Diepholz und Quakenbrück nach Lingen geplant. Von dort sollte die Strecke nördlich bis Emden geführt werden. Somit wären die westlichen Landesteile des Königreichs Hannover an das bestehende Schienennetz angeschlossen gewesen, ohne preußisches Staatsgebiet zu tangieren.

Der "Hannoversche Bahnhof" wurde 1855 eröffnet. Bis Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Dienstgebäude genutzt, zuletzt durch die DB Netz AG.

Der "Hannoversche Bahnhof" wurde 1855 eröffnet. Bis Anfang des 21. Jahrhunderts wurde das Gebäude als Dienstgebäude genutzt, zuletzt durch die DB Netz AG.

Am 1. Juli 1844 teilte die Ständeversammlung dem Kabinett des Königs mit, dass sich dieser Plan nicht realisieren lasse. Man musste wieder auf den Plan, der Streckenführung von Hannover über Minden, Löhne, Osnabrück, Bramsche und Fürstenau nach Lingen, zurückgreifen. Doch auch dieser Plan wurde zerschlagen, denn Preußen bestand auf eine Streckenführung über Minden, Löhne, Rheine nach Lingen. Dieser Streckenverlauf entsprach auch den Vorstellungen der meisten am Eisenbahnbau interessierten Kreise in Osnabrück. Handel und Gewerbe in der Stadt waren damals stark nach Holland ausgerichtet und die Streckenführung über Rheine versprach einen günstigen Anschluss an das Eisenbahnnetz der Niederlande.
Am 03.03.1848 wurde zwischen Hannover und Preußen ein Staatsvertrag über den Bau der Westbahn abgeschlossen. Die Vermessungsarbeiten begannen im Jahre 1848 zwischen Löhne und Osnabrück. Die Strecke konnte zwischen dem Bahnhof der Köln-Mindener Eisenbahn und Osnabrück entlang der Flüsse Werre, Else und Hase verlegt werden. Größere Kunstbauten waren nicht notwendig. Ebenfalls umstritten war die Streckenführung in Osnabrück. Pläne der Königlichen Hannoverschen Eisenbahn sahen vor, dass die Bahnlinie westlich durch den heutigen Stadtteil Wüste geführt, und der neue Bahnhof am Johannistor gebaut werden sollte. Man sah hier größere Vorteile für die Stadt, im Gegensatz zu einer östlichen Variante. Doch Osnabrücks damaliger Bürgermeister Dr. Stüve trat massiv gegen dieses Vorhaben bei der königlichen Regierung in Hannover ein. Unterstützt wurde er durch den Magistrat der Stadt, und auch viele Osnabrücker Bürger teilten den Wunsch, den neuen Bahnhof in östlicher Lage zu bauen. Mit dieser Streckenführung beabsichtigten die Stadtväter natürlich die heimische Wirtschaft zu stärken und das bedeutete, dass auf den Kohlebergbau und die Steinindustrie Rücksicht genommen werden musste. Der Hasestollen auf dem Piesberg sollte an die Westbahn angeschlossen werden.
Die Stadt konnte sich mit ihren Vorstellungen zwar durchsetzten, doch wurden ihr seitens der Hannoverschen Regierung heftige Auflagen gemacht. Der für den Bau der Staatsbahn erforderliche Boden musste von der Stadt, soweit er ihr Eigentum war, unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Des weiteren musste die Stadt eine neue Straße vom „Hannoverschen Bahnhof“ ins Zentrum zum Zuchthaus bauen, die heutige Wittekindsstraße. Ebenfalls sollte die Stadt die Kosten von 3 Millionen Mark für den Bau der Piesbergbahn tragen.

Die Br 111-091-5 schiebt am 14.07.2006 den RegionalExpress 14006 nach Rheine. Aus dem Rbf kommend, wartet BR 140216-3 mit einem Autotransportzug darauf, dem RE zu folgen. Ziel des Güterzuges ist Emden Außenhafen.

Die Br 111-091-5 schiebt am 14.07.2006 den RegionalExpress 14006 nach Rheine. Aus dem Rbf kommend, wartet BR 140-216-3 mit einem Autotransportzug darauf, dem RE zu folgen. Ziel des Güterzuges ist Emden Außenhafen.

Die übrigen, für den Bahnbau benötigten, Grundstücke mussten überwiegend im Enteignungsverfahren beschafft werden. Da dies auch in der Stadt Osnabrück so war, kam es zu Verzögerungen bei der Inbetriebnahme der Bahn.

Bau der Strecke

Die Bauarbeiten an der Strecke, die Anfang des Jahres 1854 begannen, gestalteten sich unproblematisch. In Löhne wurde eine große Schwellentränkanstalt errichtet, in der alle zwischen Löhne und Rheine verlegten Schwellen bearbeitet wurden. Die zwischen Löhne und Rheine eingesetzten Bauarbeiter mussten in Hannover und in Preußen eingesetzt werden. Daher bekamen sie teilweise Reisepässe, die es ihnen erlaubten, in beiden Staaten zu arbeiten. Der Bahnbau bot vielen entlang der Strecke wohnenden Menschen eine Arbeitsstelle. Auch nach dem Abschluss der Bauarbeiten fand eine große Zahl bei der Bahnverwaltung eine Beschäftigung.
Die Bahnstrecke folgt im Stadtgebiet weitgehend dem Lauf der Hase, die an drei Stellen mit Holzbrücken überquert werden musste. Zwischen dem heutigen Zentralbahnhof und dem Haltepunkt Hasetor entstand damals der erste Personen- und Güterbahnhof der Stadt Osnabrück, der sogenannte Hannoversche Bahnhof. Gegenüber des Bahnhofsgebäudes an der Sandbachstraße wurden umfangreiche Bahnanlagen errichtet. Für die Wartung und das Abstellen der Lokomotiven wurde hier ein Lokschuppen und umfangreiche Werkstattgebäude gebaut. Ebenfalls errichtete die Hannoversche Bahnverwaltung eine eigene Kokerei, da ihre Lokomotiven nicht wie üblich mit Kohle sondern mit Koks befeuert wurden. Die für die Koksgewinnung notwendige Kohle wurde per Pferdekarren aus Borgloh nach Osnabrück gebracht. Die für die damaligen Verhältnisse recht große Ausdehnung der Bahnhofsanlage erklärt sich durch die Mittelpunktlage zwischen Hannover und Emden.
Da sich die Bauarbeiten im Stadtgebiet länger als erwartet hinzogen, musste die Eröffnung der Strecke mehrmals verschoben werden.

Betrieb auf der Strecke

Am 21.11.1855 konnte dann der Streckenabschnitt zwischen Löhne und Osnabrück in Betrieb genommen werden. Bahnreisende konnten samt Gepäck per Lohnkutschendienst vom Markt zum Bahnhof gelangen, für ein Entgelt von 4 Groschen, dieser war vom Magistrat der Stadt festgesetzt worden.

Am 27.11.2006 hielt der InterCity 140 aus Berlin auf seiner Fahrt nach Amsterdam planmäßig in Osnabrück. In Gleis 13 steht NWB 81337 nach Wilhelmshaven, aus Gleis 11 verlässt RB 39133 Osnabrück mit dem Ziel Bielefeld.

Am 27.11.2006 hielt der InterCity 140 aus Berlin auf seiner Fahrt nach Amsterdam planmäßig in Osnabrück. In Gleis 13 steht NWB 81337 nach Wilhelmshaven, aus Gleis 11 verlässt RB 39133 Osnabrück mit dem Ziel Bielefeld.

Der Güterbahnhof, der westlich des Personenbahnhofes angeordnet war, war erst am 5. Dezember 1855 betriebsbereit, seit dem 10.12.1855 war es möglich, erstmals Waren in Osnabrück in Richtung Löhne aufzugeben. Dort wurden diese dann von der Köln – Mindener – Eisenbahn weiterbefördert.
Am 19. und 20.06.1856 wurde die gesamte Strecke von Hannover bis Emden feierlich in Betrieb genommen. Ein Festzug mit der damaligen Prominenz fuhr von der Hauptstadt Hannover bis Osnabrück, dort übernachtete sie und brach am nächsten Morgen Richtung Emden auf. Anlässlich der Eröffnungsfeierlichkeiten war in Osnabrück extra ein Festkomitee ins Leben gerufen worden, welches das Festprogramm ausarbeitete.
Drei Tage nach der offiziellen Eröffnung der Strecke gab die Königliche Hannoversche Eisenbahndirektion den ersten Fahrplan für die Westbahn heraus. Dreimal pro Tag war es nun möglich, vom Dollard in die Hauptstadt des Königreiches zu fahren. Man reiste damals zwischen 8 Stunden 15 Minuten und 11 Stunden 40 Minuten, je nachdem wie in Löhne die Anschlusszüge fuhren. Somit hatte das Königreich Hannover seine westlichen Landesteile erschlossen und der wichtige Hafen in Emden war von der Hauptstadt aus an einem Tag zu erreichen.
Viele Firmen nutzten die Verkehrsmöglichkeit durch einen eigenen Gleisanschluss. So wurde 1857 der Hasestollen an die Westbahn angebunden. 1915 wurde schließlich auch der Hafen in Osnabrück an die Strecke angeschlossen.
Dennoch brachte die Strecke nicht den großen wirtschaftlichen Aufschwung nach Osnabrück, da weder die wichtigsten Seehäfen wie Bremen und Hamburg noch die Industriegebiete an Rhein und Ruhr per Bahn zu erreichen waren. Dies geschah erst nach der Inbetriebnahme der Hamburg – Venlo – Bahn.
Am 18.10.1865 wurde von Salzbergen aus über Bad Bentheim eine Verbindung zum niederländischen Eisnabahnnetz gebaut. Ein alter Wunsch der Kaufleute in Osnabrück war damit in Erfüllung gegangen.
Seit dem 15.11.1876 diente der Hannoversche Bahnhof auch als Endpunkt für die Züge der Oldenburger Südbahn, was noch einmal eine Erweiterung der Bahnanlagen an der Sandbachstraße zur Folge hatte. In diesem Zuge wurde ein Ringlokschuppen als Folge des gesteigerten Verkehrsaufkommens errichtet.

Nach dem Bau des Zentralbahnhofes

1895, fast genau 40 Jahre nachdem die Eisenbahn in Osnabrück Einzug gehalten hatte löste der Zentralbahnhof den Hannoversche Bahnhof als zentralen Personenhaltepunkt ab, er wurde für den Personenverkehr geschlossen. Bis zur Eröffnung des zentralen Güter- und Verschiebebahnhofs im Fledder im Jahre 1913 diente er weiterhin, zusammen mit dem Bremer Bahnhof, zur Abwicklung des Warenumschlages.
Das Empfangsgebäude des Hannoverschen Bahnhofs steht unter Denkmalschutz und wird noch heute von der DB AG als Verwaltungsgebäude genutzt. Unter anderem waren hier das Bundesbahn Betriebsamt und das Maschinenamt lange Zeit untergebracht. Seit dem 01.01.1997 war der Hannoversche Bahnhof Sitz des Betriebsstandorts Osnabrück der DB Netz AG, anschließend war das Gebäude der Sitz des Instandhaltungsstandortes Osnabrück der DB Netz AG. Anfang 2004 hat sich die DB AG aus dem historischen Gebäude zurückgezogen.

Die BR 111-135-0 beförderte den RE 14013 am 10.09.2005 nach Braunschweig. Hier befindet sich der Zug in Höhe der Einfahrsignale aus Richtung Löhne.

Die BR 111-135-0 beförderte den RE 14013 am 10.09.2005 nach Braunschweig. Hier befindet sich der Zug in Höhe der Einfahrsignale aus Richtung Löhne.

Da nun die Wege zum Bahnhof für die Bewohner der Altstadt erheblich weiter waren und die Kaufleute in diesem Bereich eine Beeinträchtigung ihrer Geschäfte befürchteten, bildete sich eine frühe Bürgerinitiative. Sie hatte das Ziel, die Errichtung einer Haltestelle am Hasetor von der Bahnverwaltung genehmigt zu bekommen. Gegen Zahlung der entsprechenden Baukosten von 40.000 Mark gelang das Vorhaben. Am 14.06.1896 wurde der Haltepunkt Hasetor, der auch heute noch in Betrieb ist, eröffnet.
In den Jahren 1907 bis 1908 erfolgte der zweigleisige Ausbau der alten Westbahn.
Der Ortsteil Lüstringen hat seinen eigenen Bahnhof an der Westbahn östlich des Hauptbahnhofes. Mit der Inbetriebnahmen des Zentralstellwerks „Of“ 1966 wurden der Bahnhof Lüstringen ein Teil des Hauptbahnhofes. In den Jahren 1974 bis 1976 erfolgte die Umstellung auf den elektrischen Zugbetrieb. Die Elektrifizierung stellt bis heute auch die letzte große Baumaßnahme an der Hannoverschen Westbahn dar.
Zwischenzeitlich war eine Ertüchtigung der Strecke für höhere Geschwindigkeiten im Gespräch, was jedoch wegen eines ungünstigen Kosten-Nutzen-Verhältnisses inzwischen wieder vom Tisch ist.

Zusammenfassung

Schon im Jahre 1844 befasste sich der Handelsverein damit, Osnabrück an das in Deutschland bestehende Eisenbahnnetz anzuschließen. Am 15.10.1847 wurde die für Osnabrück wichtige Strecke von Hannover nach Minden eröffnet. In Minden bestand von dort Anschluss an die Köln-Mindener Eisenbahn.
Mit dieser Streckenführung beabsichtigten die Stadtväter natürlich die heimische Wirtschaft zu stärken und das bedeutete, dass auf den Kohlebergbau und die Steinindustrie Rücksicht genommen werden musste. Der „Hasestollen“ auf dem Piesberg sollte an die „Westbahn“ angeschlossen werden.
Die Bauarbeiten an der Strecke, die Anfang des Jahres 1854 begannen, gestalteten sich unproblematisch. Die Bahnstrecke folgt im Stadtgebiet weitgehend dem Lauf der Hase, die an drei Stellen mit Holzbrücken überquert werden musste. Zwischen dem heutigen Zentralbahnhof und dem Haltepunkt Hasetor entstand damals der erste Personen- und Güterbahnhof der Stadt Osnabrück, der sogenannte „Hannoversche Bahnhof“. Gegenüber des Bahnhofsgebäudes an der Sandbachstraße wurden umfangreiche Bahnanlagen errichtet. Am 21.11.1855 konnte dann der Streckenabschnitt zwischen Löhne und Osnabrück in Betrieb genommen werden. Der Güterbahnhof, der westlich des Personenbahnhofes angeordnet war, war erst am 05.12.1855 betriebsbereit, seit dem 10.12.1855 war es möglich, erstmals Waren in Osnabrück in Richtung Löhne aufzugeben.
Am 19. und 20.06.1856 wurde die gesamte Strecke von Hannover bis Emden feierlich in Betrieb genommen. Dreimal pro Tag war es nun möglich, vom Dollard in die Hauptstadt des Königreiches zu fahren. Man reiste damals zwischen 8 Stunden 15 Minuten und 11 Stunden 40 Minuten. Am 18.10.1865 wurde von Salzbergen aus über Bad Bentheim eine Verbindung zum niederländischen Eisnabahnnetz gebaut. Ein alter Wunsch der Kaufleute in Osnabrück war damit in Erfüllung gegangen.
Seit dem 15.11.1876 diente der „Hannoversche Bahnhof“ auch als Endpunkt für die Züge der „Oldenburger Südbahn“, was noch einmal eine Erweiterung der Bahnanlagen an der Sandbachstraße zur Folge hatte.
Am 14.06.1896 wurde der Haltepunkt Hasetor, der auch heute noch in Betrieb ist, eröffnet.
Der zweigleisige Ausbau der alten Westbahn erfolgte in den Jahren 1907 bis 1908.

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