Bahnhof Eversburg

Im Juni 1873 begannen die Bauarbeiten an einer Eisenbahnverbindung vom preußischen Kriegshafen Heppens, dem späteren Wilhelmshaven, über Oldenburg, Quakenbrück und Bramsche nach Osnabrück. Diese Strecke, die sogenannte “Oldenburger Südbahn, wurde am 15. November 1876 in Betrieb genommen. Den Endpunkt dieser längsten Strecke der “Großherzoglichen Oldenburger Eisenbahn” (GOE) bildete der Bahnhof Osnabrück-Eversburg. Obwohl sich dieser Bahnhof bereits auf preußischen Staatsgebiet befand, war das Bahnhofspersonal bei der GOE angestellt. Mit dem Ende des 1. Weltkrieges 1918 endete auch die Zeit der Länderbahnen und die neu gegründete Reichsbahndirektion Oldenburg übernahm die Zuständigkeit über den zweit größten osnabrücker Bahnhof bis zu ihrer Auflösung 1931. Erst von da an gehörte der Bf. Eversburg, wie alle übrigen osnabrücker Bahnanlagen, zur Reichsbahndirektion Münster und schließlich ab 1974 zur Bundesbahndirektion Hannover.
Während die Reisezüge der GOE, nach einem Halt im Bahnhof, zum “Hannoverschen Bahnhof” und ab 1895 zum osnabrücker Zentralbahnhof weitergeführt wurden, endeten deren Güterzüge in Eversburg. Da der Bahnhof Eversburg den Schnittpunkt zwischen zwei Länderbahnen darstellte, musste hier auch die Wagenübergabe zwischen GOE und KPEV (Königlich Preußische Eisenbahnverwaltung) im Güterverkehr abgewickelt werden. Entsprechend dieser Tatsache wurde die Gleisanlagen recht großzügig gestaltet, Eversburg erhielt sogar einen eigenen Bahnmeistereibezirk, den Bezirk XXI, der bis zum Jahr 1900 Bestand hatte.

Ein Zug der NordWestBahn vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude Eversburg mit dem Ziel Osnabrück Hbf. Die Aufnahme entstand am 05.09.2004.

Ein Zug der NordWestBahn vor dem ehemaligen Bahnhofsgebäude Eversburg mit dem Ziel Osnabrück Hbf. Die Aufnahme entstand am 05.09.2004.

Wie damals üblich erhielt auch Eversburg eine Güter- und Expressgutabfertigung sowie eine Fahrkartenausgabe. Die damalige Bedeutung dieses Bahnhofs wird ersichtlich, da hier bereits 1887 elektrische Streckenblockeinrichtungen installiert wurden, um der Sicherheit des anfallenden Bahnbetriebes Rechnung zu Tragen. In diesem Zusammenhang muss auch die Errichtung eines erhöhten Stellwerksgebäudes im Jahre 1896 gesehen werden, welches den Weichenwärtern einen besseren Überblick über das Rangiergeschehen verschaffen sollte. Eine weitere Bedeutungssteigerung erlebte die Dienststelle Eversburg, als 1903 die Schmalspurbahn zwischen Osnabrück-Eversburg und Recke, ab 1905 weiter bis nach Rheine, parallel zur “Hannoverschen Westbahn”, dem Betrieb übergeben wurde. Es handelte sich hier um eine 1000mm Schmalspurbahn, die in Eversburg endete. Die Züge dieser privaten “Kleinbahn Piesberg -Rheine” endeten zwangsläufig in Eversburg, Reisende nach Osnabrück mussten auf die GOE umsteigen. Die Frachten der Kleinbahn im Güterverkehr wurden auf normalspurige Wagen umgeladen.
Um der Staatsbahn auf der Strecke Osnabrück – Rheine keine Konkurrenz machen zu können, war der Bau der Kleinbahn nur unter der Bedingung genehmigt worden, dass es zwischen Eversburg und Rheine keinen durchgehenden Güterverkehr geben durfte.
Um dem gestiegenen Verkehrsaufkommen gerecht zu werden, entstand 1906 neben dem alten Bahnhofsgebäude, dass fortan als Wohnhaus genutzt wurde, ein neuer größerer Bau in Stein- und Fachwerkbauweise. Dieser ansprechende Bau ist noch heute zu sehen, steht jedoch mittlerweile leer und ist dem Verfall preisgegeben. Weiterhin wurden die Verladeanlagen modernisiert und den gestiegenen Bedürfnissen angepasst.
Neben dem Gleisanschluss zum Hasestollens auf dem Piesberg (welcher der erste osnabrücker Gleisanschluss war), befanden sich im Bahnhof Eversburg drei weitere Gleisanschlüsse privater Firmen. Über den ersten Anschluss sind heute die Klöckner-Durilit-Werke zu erreichen, und ebenso die Osnabrücker Dampflokfreunde, die ihr Domizil im alten Zechenbahnhof am ehem. Hasestollen bezogen haben.
Das Jahr 1913 bedeutete für den Bahnhof Eversburg ein Absinken in seiner Bedeutung. Nachdem in diesem Jahr der Zentrale Verschiebebahnhof im osnabrücker Stadtteil Fledder fertiggestellt wurde, erfolgte das Auflösen und Bilden der GOE Güterzüge hier und nicht mehr am Endpunkt der Länderbahn. Die anfallenden Rangierarbeiten beschränkten sich nun auf das Zustellen von Wagensendungen an die Firmen mit Gleisanschluss im Bahnhofsbereich. Seit dem Jahr 1935, nachdem die Kleinbahn auf die normale Spurbreite von 1435mm umgerüstet worden war, wurden der Personen- und Güterverkehr bis Osnabrück verlängert. Die Bahnstrecke erhielt den Namen “Tecklenburger Nordbahn” (TNB), den sie auch heute noch trägt. Für ihre Reisenden mit dem Ziel Osnabrück entfiel nun das Umsteigen in Eversburg. Hier unterhielt die TNB neben der Stück- und Expressgutabfertigung der Staatsbahn eine eigene Güterabfertigung.
Im gleichen Jahr, 1935, wurden das Fahrdienstleiterstellwerk “Ef” (Bauweise Einheit) am östlichen und das Weichenwärterstellwerk “En” (Bauweise Jüdel) am nördlichen Bahnhofskopf in Betrieb genommen. 1937 folgte im Westen das Wärterstellwerk “Ew” (Bauweise Einheit). Im Zuge der großen Modernisierung der Stellwerks- und Signaltechnik im osnabrücker Raum, ab Mitte der 60er Jahre, entstand am Standort des Wärterstellwerks “En” ein neues Spurplanstellwerk “Oe” der Firma Siemens, welches die drei mechanischen Stellwerke 1968 ablöste. Während der Bauzeit wurde das Stellwerk “En” in einem Eisenbahnwagen untergebracht und das alte Stellwerksgebäude abgerissen.

Anfang der 40 Jahre erlebte Osnabrück – Eversburg im Personenverkehr eine deutliche Aufwertung, da jetzt auch die Personenzüge auf der direkten Strecke von Osnabrück nach Rheine in Eversburg hielten. Nach 65 Jahren konnten nun Reisende von der oldenburger Strecke in Eversburg direkt nach Rheine umsteigen, ohne den Unweg über Osnabrück in kauf nehmen zu müssen.
1967 stellte die Tecklenburger Nordbahn den Personenzugverkehr ein, eine folge des steigenden Individualverkehres und der verbesserten Busanbindungen der Gemeinden Recke, Mettingen und Westerkappeln an Osnabrück Doch dieses Ereignis sollte nur der Auftakt sein, denn bis zum Ende der 70er Jahre wurde die Stückgutabfertigung (1970) der Deutschen Bundesbahn, die Güterabfertigung der TBN (1974), die Expressgutabfertigung (1976) und schließlich die Fahrkartenausgabe (1979) aufgelassen. Etwa 10 Jahre später, gegen Ende der 80er Jahre hielten die Nahverkehrszüge zwischen Osnabrück und Rheine nicht mehr in Eversburg, Anfang der 90er Jahre passierte auch die Reisezüge der “Oldenburger Südbahn” den Bahnhof Eversburg ohne Halt.
Heute (im Jahre 2003) wird auch das Stellwerk “Oe” vom Zentralstellwerk “Of” am osnabrücker Hauptbahnhof ferngesteuert, so dass Eversburg nur noch ein unbesetzter Betriebsbahnhof und eine Abzweigstelle ist. An der Strecke nach Oldenburg werden zwei Überholungsgleise vorgehalten, eines, falls Personen- oder Güterzüge außerplanmäßig gekreuzt werden müssen. An das zweite Gleis sind die Klöckner-Durilit-Werke und die “Osnabrücker Dampflokfreunde” angeschlossen. In diesem Gleis endet auch die tägliche Cargo Bedienfahrt, die Güterwagen vom osnabrücker Rangierbahnhof mitbringt.
Die RVM (Regionalverkehr Münsterland GmbH) wickelt auf der Tecklenburger Nordbahn das dort entstehende Frachtaufkommen ab. Ihre Züge fahren z.Z. zwei Mal täglich über Eversburg bis Osnabrück Rbf, wo sie aufgelöst und auf andere Züge verteilt werden.
An der ehemaligen “Hannoverschen Westbahn” wurden die Zugangsweichen zu dem Bahnsteig- und Überholgleis der Richtung Rheine – Osnabrück ausgebaut, obwohl Schienen und Bahnsteig noch vorhanden sind.

Gleislageplan Eversburg

Gleislageplan Eversburg

Für die Zukunft besteht die Hoffnung, dass der Stadtteil Eversburg wieder eine Anbindung an den Schienenpersonennahverkehr erhält. Im Zuge der Reaktivierung des “Haller Willem”, die dieses Jahr beginnt, gibt es Bestrebungen, auch die “Tecklenburger Nordbahn” wieder für den Personenverkehr zu reaktivieren und beide Strecken miteinander zu verbinden, so das hierdurch das Fundament einer regionalen osnabrücker Schnellbahn gelegt wird. Die Chancen, dass für einen solchen Haltepunkt der alte eversburger Bahnhof gewählt wird, erscheint jedoch recht unwahrscheinlich, da sich die Wohngebiete des Stadtteils vom Bahnhof wegentwickelt haben. Vor 2008 oder 2009 ist allerdings nicht mit einer derartigen Maßnahme zu rechnen.

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