Dampflokfest Osnabrück 2002

Wer geglaubt hatte, er könne einen der ersten einfahrenden Dampfsonderzüge völlig ungestört auf dem Osnabrücker Hauptbahnhof fotografieren, sah sich schnell getäuscht. Denn obwohl das 1. Osnabrücker Dampflokfest offiziell erst um 10 Uhr beginnen sollte, bevölkerten bereits um 9 Uhr zahllose Eisenbahnbegeisterte das Gelände des Hauptbahnhofes, insbesondere Bahnsteige und das neu gebaute Parkhaus.

Stimmen und Gerede waren jedenfalls nicht zu vernehmen, vielmehr herrschte ein geradezu ehrfurchtsvolles und gespanntes Schweigen. Alle harrten der Züge, die da nun kommen sollten. Das Publikum der Wartenden war bunt gemischt, alle möglichen Altersgruppen vertreten. Das die Eisenbahn reine Männersache ist, war nicht erkennbar.

Den Anfang des Sonderzugreigens machte die Eurobahn mit ihrem modernen Dieseltriebwagen, der von Bohmte kommend nach Gleis 1 einfuhr, um dann in den alten Güterbahnhof zu rangieren. Aufmerksamkeit und Begeisterung für dieses Gefährt der Neuzeit hielten sich allerdings in Grenzen, ganz im Gegensatz zu dem Sonderzug der Lengericher Dampflokfreunde, gezogen von der 50-3655 . Gebührend wurde das alte Dampfross von der Eisenbahnerkapelle Altenbeken mit flotter Musik und natürlich von Hunderten Fotoapparaten empfangen.
Für viele wurde es ein schwieriges Unterfangen, eine geeignete Position zu ergattern, um jeden Zentimeter Bahnsteigkante wurde gerungen (natürlich friedlich und ohne Handgreiflichkeiten), wichtig war ausschließlich, die Dampfrösser möglichst ohne viele Menschen drum herum in den Kasten zu bekommen.
Der nächste Höhepunkt rauschte um 10.30 (15 Minuten zu früh) von Hamburg kommend nach Gleis 3. Die 012-100-4 zog einen Sonderzug der DB AG. Im Schlepp hatte sie eine V200. Das Gedränge auf den Bahnsteigen erreichte seinen ersten Höhepunkt.

An gefüllte Konservendosen erinnerte die vierteilige Schienenbuseinheit des „Fördervereins Schienenbus“ aus Menden, der kurz darauf in Gleis 4 zum Halten kam. Wenig später erhielt die 41 360 der „Dampflok-Arbeitsgemeinschaft Oberhausen“ mit einem Sonderzug aus Düsseldorf nach Gleis 5 Einfahrt, auch hier wurde dem einfahrenden Sonderzug ein begeisterter Empfang bereitet.
Stündlich bot die Deutsche Bahn AG Pendelfahrten zwischen Osnabrück und Bohmte mit einem modernen Elektrotriebwagen, BR 425, an.
Auf der unteren Ebene des Personenbahnhofes ergänzten die Osnabrücker Dampflokfreunde mit ihren stündlichen Pendelfahrten zum Bergfest am Piesberg die außergewöhnliche Betriebssituation an diesem denkwürdigen Tag.
Bemerkenswert ist die Leistungsfähigkeit des Osnabrücker Hauptbahnhofes und seiner Fahrdienstleiter im Hinblick auf die Bewältigung dieses Betriebsaufkommens, bedenkt man, das der planmäßige Zugverkehr, abgesehen von Gleisverlegungen, reibungslos und planmäßig abgewickelt wurde.
Nachdem die ersten Dampfzüge Osnabrück erreicht hatten, machten sich viele Besucher auf den Weg Richtung Güterbahnhof, um die Dampfloks ein zweites Mal in Empfang zu nehmen. Ortsunkundige brauchten einfach dem Menschenstrom zu folgen.

Im Güterbahnhof wurden die Besucher von Live -Musik und vielen Infoständen begrüßt. Einträchtig standen die Nahverkehrskonkurrenten, DB Regio, Eurobahn und NordWestBahn, mit ihren Triebwagen nebeneinander. Auf der gegenüberliegenden Seite hatte DB Cargo vier Lokomotiven zur Schau gestellt, die heute zum täglichen Erscheinungsbild des Unternehmens gehören. Auch die DB- Konkurrenz „RVM“ beteiligte sich an der Ausstellung. Etwas abseits und unscheinbarer waren schone tags zuvor die Werkbahnlokomotiven sämtlicher osnabrücker Firmen zum Ausstellungsgelände gebracht worden.
Das Zentrum des Ausstellungsgeländes war ganz ausschließlich für die Stars des Tages, die Dampfloks, vorbehalten.

Mit der 50-3655 durch den Teutoburger Wald

Ein weiterer Höhepunkt war die Rundfahrt durch den Teutoburger Wald mit dem historischen Dampfzug der „Eisenbahntradition Lengerich e.V.“. Von Gleis 2 aus ging es, Tender voraus über die „Rollbahn“ nach Süden, durch den nördlichsten Tunnel Deutschlands bis zum vereinseigenen Betriebsgelände in Lengerich, wo die Lok einmal umgesetzt wurde.
Anscheinend gab es hier einige kleinere Probleme, denn es dauerte ca. 20 Minuten bis es weiter ging. Viele nutzten die Zeit, um sich vor dem Zug ein wenig die Beine zu vertreten und das große schwarze Ungetüm einmal ganz nah an sich vorbeifahren zu lassen.

Weiter ging die Fahrt durch die malerische Landschaft des Teutoburgerwaldes über die TWE -Strecke nach Ibbenbühren. Es war sehr beeindruckend, wie der Zug bei strahlendem Sonnenschein durch das Mittelgebirge schnaufte, so, als ob das immer so wäre. Zum Teil auf Holzbänken der 3. Klasse, zum Teil stehend auf der Bühne vor dem Wagen erhielt man doch einen guten Einblick in den Reisealltag vor 50 Jahren. Hinzu kam, dass der Zug bis auf den letzten Platz gefüllt war.
Der Fahrkartenverkauf erfolgte direkt am Platz und die historischen Uniformen der Zugbegleiter rundeten diese Reise in die Vergangenheit ab. Wohl mehr als einmal sahen sich die Schaffner gezwungen neue Fahrkartenblöcke zu organisieren, da ihr jeweiliger Vorrat schnell aufgebraucht war.
Tender voraus, nach einem erneuten Fahrtrichtungswechsel in Ibbenbühren, wurde die Fahrt auf der „Hannoverschen Westbahn“ Richtung Osnabrück Hbf fortgesetzt. Die untere Ebene des Hauptbahnhofes durchfuhr der Zug ohne Halt, um schließlich durch Stahlwerks- und Schinkelkurve an Gleis 5 auf der oberen Ebene zu enden. 2 ½ Stunden Zeitreise in die Vergangenheit waren zu Ende.
Wie zu tiefsten Dampflokzeiten in Osnabrück wurde die Zuglok 50 3655 abgekuppelt und der Zug mit der BR 01 1066 für die sich nun anschließende Tunnelfahrt nach Lengerich bespannt, Dampfloknostalgie pur.

Unser Fazit und Dank

Ein großes Lob an die Organisatoren des Dampflokfestes in Osnabrück!
Die gesamte Veranstaltung bot ein buntes Programm für jung und alt und war sehr gut organisiert, was der reibungslose Festablauf angesichts von 100 000 Besuchern (statt 50 000 erwarteten) zeigte.
Anhand der großen Zahl von Eisenbahnbegeisterten und neugierigen Interessenten wird deutlich, dass das System Eisenbahn noch immer große Faszination ausübt und in Zukunft nicht weggedacht werden kann.
Die Schauplätze Hauptbahnhof, Bahnhofsvorplatz, alter Güterbahnhof und Bergfest am Piesberg wurden sinnvoll miteinander verknüpft. Das Angebot von regelmäßigen Sonderfahrten nach Bohmte, Lengerich und zum Piesberg waren der Garant für die gute Vernetzung der Veranstaltungen und rundeten das Programm ab. Für einen Tag war die Eisenbahn der Mittelpunkt in Osnabrück.
Unser Eindruck ist durchweg positiv, überrascht hat uns, dass sich noch immer so viele Menschen für die Eisenbahn interessieren. Wir wünschen uns, dass es auch zukünftig des öfteren Veranstaltungen dieser Art gibt, um so der Eisenbahn insgesamt einen besseren Ruf und ein höheres Ansehen zu verschaffen.
Hoffentlich wird das Osnabrücker Dampflokfest im nächsten Jahr eine Neuauflage erleben!!!

Anzumerken bleibt noch, dass wir ob der Programmfülle nicht in der Lage waren, alle Dampfloks, die Osnabrück besuchten, zu fotografieren, bzw. allen Programmhöhepunkten beizuwohnen. Leider war es uns auch nicht möglich, das Fest am Piesberg zu besuchen, da der „Schnellzug zum Zechenbahnhof“ regelmäßig ausgebucht war, oder wir zu spät an Gleis 14 erschienen.

Schreibe einen Kommentar